Archiv der Kategorie ‘Blog‘

Wild Horses – Salon im Westen – Auftakt mit dem Kind auf der Treppe

Die Galerie Egbert Baqué Contemporary Art holt mit der neuen Veranstaltungsreihe Wild Horses die Berliner Salonkultur zurück in die Fasanenstraße – aufregende Bücher zur Kunst, junge literarische Stimmen zum Entdecken, Begegnungen mit außergewöhnlichen Persönlichkeiten – dazu ein gutes Glas Wein zum Nachspülen. Wild Horses – go West!

Moderiert wird die Reihe vom Autor und Verleger Kai Splittgerber. Gastgeber ist Egbert Baqué.

Im Rahmen dieser Reihe und der aktuellen Bowie-Ausstellung habe ich die Gelegenheit, noch einmal aus meinem Berlin-Bowie-Thriller “Das Kind auf der Treppe” zu lesen.

Dienstag
07.05.2013
19:30 Uhr

Hauptstraße 155, mitten in der Nacht. Die junge Musikerin Leni ist aus Reykjavik vor ihrem Mann geflohen. Sie weiß nicht, ob sie ihn in Notwehr getötet hat, oder ob er noch immer hinter ihr her ist. Als sie endlich bei ihrer Halbschwester Zicky in Berlin ankommt, ist die nicht da. Stattdessen sitzt im Treppenhaus ein unheimlicher Junge allein auf den Stufen. Leni nimmt sich des Kindes an und gerät in einen Strudel von widersprüchlichen Ereignissen. Bald weiß sie selbst nicht mehr, ist sie Opfer oder Täterin?

„Das Kind auf der Treppe“ inszeniert eine aus den Fugen geratene Realität und greift dabei die beklemmenden Momente von Bowies Berliner Triptychon Low / „Heroes“ / Lodger und seinem Kunstmord-Album 1. Outside auf. Wichtige Schauplätze sind Bowies Berliner Wohnung und die Hansa-Tonstudios, die Figuren sind von Bowies weirdness, seinem damals exzessiven Alkoholkonsum, der stets gefeierten sexuellen Ambivalenz und seinem Umfeld (Romy Haag, Iggy Pop) inspiriert. Die Vorlage für den seltsamen Jungen auf der Treppe findet sich in Bowies expressionistischem Gemälde Child in Berlin.

Next Horses
Donnerstag, 16. Mai 2013
Lisa-Marie Seydlitz – Sommertöchter

Dumont Buchverlag
Sommertöchter fühlt sich an wie ein heißer Tag: flirrend, vibrierend, leicht und manchmal auch stickig, drückend und geheimnisvoll. Ein echt überzeugendes Debüt! – (RBB Fritz)
Lisa-Maria Seydlitz gelingt mit diesem Roman ein kleines Wunder, denn trotz der schweren
Thematik ist er ihr wunderbar leicht geraten. Das liegt vor allem an den dichten, atmosphärischen
Miniaturen – auch denen des Glücks. – (NDR Kultur)
Ein Debüt, das viel verspricht und viel hält. – (Deutschlandradio Kultur)

Freitag, 31. Mai 2013
Detlef Kuhlbrodt – Leben mit David Bowie: Wie sieht der denn aus?
2008 wurde Detlef Kuhlbrodt mit dem Ben-Witter-Preis geehrt, weil er, so die Jury, “die klassische Kunst des Feuilletons neu belebt” hat und es ihm gelingt, “mit vollendeter Leichtigkeit und Lakonie das Lied in allen Alltagsdingen zum Singen zu bringen: ein heller Träumer, ein sarkastischer Poet, ein Diogenes mit der Laterne. Vor allem aber: ein eigensinniger Sprachkünstler gegen den herrschenden Instant-Journalismus.”

Nach der Lesung und dem Gespräch zwischen Detlef Kuhlbrodt und Kai Splittgerber zeigen wir den 18minütigen Kurzfilm des griechischen Filmemachers Minos Nikolakakis, The Attic, 2011:
Der Held des Streifens ist ein Verlierer. Die Frau lässt sich scheiden, das Verhältnis zur Tochter ist nicht besonders gut und mit der Arbeit läuft es auch nicht. Eines Tages hört er, wie aus einem kleinen Wandschrank Geräusche und Musik ertönen. Als er die Schranktür öffnet, tut sich dahinter ein großer Raum auf und er macht eine ungeheure Entdeckung: Es ist die Welt seines Jugendidols David Bowie. Je weiter er in diese Welt eindringt, desto mehr nimmt er die Rolle des Ziggy Stardust an. Ein neues Leben beginnt…

Egbert Baqué Contemporary Art
Fasanenstraße 37 10719 Berlin
www.berlin-contemporary-art.com
Telephone         +49-30-43.91.08.80
Mobile               +49-179-25.26.210
Email                 office@berlin-contemporary-art.com

Öffnungszeiten
Dienstag – Freitag       14 – 19 Uhr
Samstag                      12 – 18 Uhr

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Karla Schmidt am 23. April 2013 in Blog, Kind auf der Treppe, Lesungen und Termine

Ist es möglich, ein Buch zu werden?

Heute morgen habe ich ein Zitat von Amos Oz gelesen:

“Als ich klein war, wollte ich unbedingt ein Buch werden. Kein Schriftsteller. Menschen können wie Ameisen zertreten werden, und Schriftsteller sind nicht minder schwer zu töten. Aber nicht Bücher. Wie systematisch man auch versucht, ein Buch zu zerstören, es besteht immer die Möglichkeit, dass ein Exemplar überlebt und sein Dasein in einem Regal in irgendeiner kleinen, staubigen Bibliothek in Reykjavik, Valladolid oder Vancouver fristet.”

Ist es möglich, ein Buch zu werden? Das wüsste ich schon gerne. Fangen wir also mit den naheliegenden Gedanken an.

Leute werden Bücher, wenn andere Leute über sie schreiben. Sei sind entweder berühmt und werden mit Biografien bedacht, oder sie fließen als Alltagsfiguren in irgendeinen Roman ein. Eine Autobiografie zu schreiben, ist sicherlich ein ganz bewusster Versuch, ein Buch zu werden und am Leben zu bleiben.
Allerdings wohl eher ein misslingender Versuch. Denn das Ich-Gefühl, das Bewusstsein bleibt ja doch beim Autobiographen und wird zusammen mit ihm sterben, und das Buch, das übrigbleibt, hat per se erstmal kein Leben.

Schreib-Kryonik

Ich fürchte, es führt nicht, wie Amos Oz hofft, zum Weiterleben eines Buches, wenn es in einer verstaubten Bibliothek steht und ein „Dasein fristet“. Das ist kein Leben, sondern eine Art Kryostase, ein inaktiver Modus, der das physische Fortdauern sichert, ohne dass dabei Lebendigkeit im Spiel wäre.
Lebendig wird ein Buch in dem Moment, in dem es gelesen wird, und auch nur so lange, wie es gelesen wird. Klapp das Buch zu und schick es zurück in seinen Kälteschlaf, bis vielleicht nach 2000 Jahren ein Altertumsforscher es aus einer verschütteten Bibliothek rettet oder ein Alien es aus einer in die Tiefen des Alls geschickten Raumkapsel birgt. Sprache und Schrift werden dechiffriert, und wenn der Leser ein Altertumsforscher ist, wird das Buch der Forscher, ist der Leser ein Alien, wird das Buch zum Alien.
Im Buch lebt nicht der Autor weiter, sondern es gewinnt mit jedem Leser ein neues, eigenes Leben, an dem der Autor keinen Anteil mehr hat.

Ein Buch zu schreiben bedeutet, etwas abzusondern, wie eine Protuberanz, die sich dann für immer vom Körper löst. Schreiben wird ja oft genug auch mit dem Kinderkriegen verglichen: Ich habe meine Kinder zwar ausgetragen und geboren, aber abgesehen davon, dass alles Dasein auch irgendwie eins sind, weil es da ist, sind meine Kinder sie selbst und nicht ich.

Für kurze Zeit bin ich das Buch

Schriftsteller sondern also Bücher ab, die nicht sie sind. Aber Oz wollte ja auch nicht Schriftsteller werden, sondern ein Buch. Merkwürdigerweise habe ich eine genaue Vorstellung von dem Gefühl, das er mit der Hoffnung verbindet, ein Buch zu sein. Es ist das Gefühl, das ich als Kind hatte, wenn ich ein Buch gelesen habe:

Ich war die Suche nach dem Heiligen Gral, ich war der Löwe von Narnia, ich war die Gemeinschaft des Rings und die Reiter von Rohan, ich war das Kind im Waisenhaus, das in eine fremde Welt verbannt wird, ich war die turmhohen Wälder auf einem fernen Planeten, ich war das Mädchen, das von den Toten zurückkehrt, …

Bücher habe ich als Kind nicht gelesen, ich habe sie gelebt, und was man lebt, das ist man auch.
„Ein Buch sein“ heißt also zuerst, es auf eine bestimmte Weise lesen zu können: Sich selbst dabei aufzugeben und mit etwas anderem, das davor Nicht-Ich war, zu verschmelzen.
Als Kind war das leicht, die eigenen Identität war noch durchlässig genug, um sich täglich in alles und jeden verwandeln zu können.

Als Erwachsene ist es mir immer weniger gelungen. Ich lese Bücher heute nicht mehr, indem ich zu ihnen werde, sondern indem ich sie denke. Ich nehme auf, was ich lese, ich eigne es mir an, mag es oder mag es nicht. Dabei bin ich immer unzweifelhaft nicht das Buch, sondern diejenige, die das Buch liest. Es bleibt eine Distanz, die scheinbar nicht mehr überbrückt werden kann.

Ein Buch? Für immer?

Warum ist es so schwierig, ein Buch zu werden, wenn man groß ist? „Wenn ich einmal groß bin“ klingt so, als würde das „echte Leben“ erst später beginnen. Jetzt, als Kind, da ist ja alles bloß Spiel, als ob, unfertig.

Die Sehnsucht eines Kindes, im echten Leben, “wenn ich einmal groß bin”, ein Buch zu werden schließt die Vorstellung ein, dass man das Buch nicht nur lebt, solange man es liest, sondern dass man sein Bewusstsein dauerhaft transferieren könnte, so als würde man plötzlich Mitglied der Crew von Captain Futures Comet und würde für immer und einen Tag an ihren prinzipiell unendlichen Abenteuern teilnehmen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Als Erwachsene begreife ich langsam, dass das Leben als Kind genauso echt, faktisch, vollständig und bedeutsam ist, wie mein jetziges Leben. Vielleicht sogar mehr, weil man als Kind noch sorgloser im Moment aufgeht.
Als Kind konnte ich jede Woche ein anderes Buch sein, und die Erinnerungen an diese Erlebnisse sind heute lebendiger und wirklicher, als Erinnerungen an alle Bücher, die ich als Erwachsene gelesen habe. Ich habe tatsächlich viele Leben gelebt, weil ich mich an diese Leben erinnern kann und weil manche dieser Erinnerungen sich in ihrer emotionalen Tiefe in nichts von Erinnerungen an das physische Leben außerhalb der Bücher unterscheiden.

Wenn damals eine Fee gekommen wäre, um mir Amos Oz’ Sehnsuchtsgedanken zu erfüllen und mir erzählt hätte, ich könnte unsterblich werden, indem sie mich in ein Buch verwandelt, und wenn sie mich dann gefragt hätte, welches Buch ich denn gerne „für immer“ sein würde, dann hätte ich höchstwahrscheinlich das genannt, welches ich zufällig gerade las.
Hätte ich darüber nachgedacht, wäre ich aber vielleicht darauf gekommen, dass die Frage eine Falle ist und hätte die Entscheidung verweigert.
Wie hätte ich mich jemals für ein Buch entscheiden und damit alle andern Bücher ausschließen können?! Wie könnte ich das heute? Nur ein Buch sein? Nie mehr tauschen können? In irgendeiner verstaubten Bibliothek in Kryostase verharren? Unmöglich!

Wenn heute die Idee ein Buch zu werden, dennoch ein bisschen Wehmut auslöst, dann deshalb, weil ich nach einer Erfahrung verlange, die ich als Kind für selbstverständlich gehalten habe, die ich heute beim Lesen jedoch nicht mehr finde, weil da immer eine Lücke zwischen mir und dem Buch bleibt.

Die Lücke schließen

Selbst Bücher zu schreiben ist definitiv ein Versuch, diese Lücke zu schließen. Vielleicht ist Amos Oz darum Schriftsteller geworden. Ein Buch zu schreiben, heißt ein Buch zu sein.

Das Buchsein findet aber wiederum nur durch und während des Schreibens statt. Das fertige Produkt ist genauso weit von mir entfernt, wie das Buch jedes anderen Autors auch. Es beginnt, wie die eigenen Kinder, sein eigenes Leben, lässt einen zurück und verbindet sich mit anderen Menschen.
Nur solange man schreibt, lebt man das Buch, ist es ein Teil von einem selbst und man ist selbst ein Teil davon. Mittlerweile weiß ich, wenn dieses Gefühl sich beim Schreiben nicht einstellt, dann schreibe ich nicht gut.

Wenn Schreiben jetzt das ist, was früher für mich das Lesen war, dann kann ich Lesen als eine Art Training verstehen, das mich darauf vorbereitet hat, vollständige Leben im mentalen Innenraum leben zu können – auch ohne fremde Hilfe.
Wenn ich etwas geschrieben habe, kommt es sogar gelegentlich vor, dass ich dorthin zurückkehre, einen Moment erlebe, den ich nicht aufgeschrieben habe. Vielleicht ist das wiederum die nächste logische Stufe? Wenn man weder zu lesen noch zu schreiben braucht, um alle Leben zu leben und alle Welten zu bewohnen?

Die Frage ist vielleicht weniger, ob es möglich ist, ein Buch zu werden, sondern ob es möglich ist, alles zu werden, was man sich vorstellen kann. Es gibt ja Leute, die sagen, dass man das sowieso ist und es spätestens dann erkennt, wenn man stirbt.

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Karla Schmidt am 13. April 2013 in Blog, Übers Schreiben

Mehr Spielzeit für Autoren! Eine Improvisation übers Schreiben

Mir sind in letzter Zeit zwei Bücher in die Hände gefallen, eins übers Malen, eins übers Musizieren:

Michele Cassou: Point Zero – entfesselte Kreativität

Stephen Nachmanovitch: Free Play – Kreativität geschehen lassen

In beiden Büchern geht es um die Wirkung, die freies Improvisieren sowohl auf den Künstler wie auf seine Kunst hat, und beide kommen, auf kurze Formeln gebracht, zu ähnlichen Schlüssen:

- Gekonnte Improvisation braucht Technik

- Technik entwickelt sich nicht durch formelhaftes Üben, sondern mit und durch stetige Improvisation

- Übung durch Improvisation ist kein „Übel“ auf dem Weg zu einem „perfekten“ Ziel, sondern in sich selbst Zweck.

- Ziel ist die Evolution der des Spiels, Spiel ist der Motor der Evolution – sei es in der Natur, in der Reifung des Individuums oder der des Künstlers.

- Improvisation ist eng verknüpft mit einem Gefühl für Spiritualität, weil sie, wie Gebet oder Meditation, eine zugleich entspannte und gerichtete Aufmerksamkeit braucht, ein Aufgehen im Moment, ohne dabei die Kontrolle zu verlieren.

Diese Beschreibung deckt sich mit Erfahrungen, die ich letzter Zeit beim Schreiben mache.

Professionell zu sein ist keine Meisterschaft

Viele von uns sind jedoch – selbst als Kreativarbeiter – weitgehend auf ein protestantisches Arbeitsethos gedrillt. Kindern wird die Fähigkeit, mit jedwedem Material zu spielen, relativ systematisch aberzogen. Alles Tun ist mit zunehmendem Alter zunehmend auf ein Ergebnis, ein Ziel, ein Produkt ausgerichtet, und der Weg dorthin ist steinig und voll der Mühsal, sonst ist die Sache nichts wert. Nur, wer sich ordentlich schindet, gelangt am Ende zu einer gewissen Professionalität, und nur wer professionell ist, verdient es auch, Geld zu verdienen.

Hat man erst einmal einen gewissen Grad der Professionalität erreicht, weiß man, wie man seine Mittel einzusetzen hat, man kennt die „Tricks“ und „Kniffe“, und man reagiert auf die gleiche Art Herausforderung auf immer dieselbe, zehntausend Mal geübte Weise.

Das ist ja das Schöne, nicht wahr? Nun muss man sich nicht mehr schinden, nun weiß man, wie es geht, und es geht hinreichend einfach. Willkommen im kreativen Rentenalter.

Was nämlich bei dieser Art der Professionalität verlorengeht, ist die Fähigkeit zur Evolution. Man erreicht mit den erprobten Techniken in der Ausdrucksfähigkeit, aber auch auch in der eigenen Erkenntnis- und Erlebnisfähigkeit einen Zenit, der mit den bekannten Mitteln nicht überschritten werden kann. Es scheint, als hätte man das Ende der Fahnenstange erreicht, mehr ist da nicht.

Zurück zum freien Spiel

Es sei denn, man findet den Weg zurück zum freien Spiel. Wenn man die Tonleitern rauf und runter leiern kann, wird es Zeit, sie in einer andern Reihenfolge zu spielen. Und wenn sich das nicht gut anhört, dann ändert man die Reihenfolge, ändert sie wieder, und noch einmal. Schon ist man inmitten der Improvisation, man experimentiert, man spielt mit den Tönen und erweitert die erlernten Techniken um Ungelerntes.

Das Besondere am freien Spiel mit dem Material ist, dass man zugleich in zwei Aufmerksamkeiten präsent ist: Sowohl im Tun als auch in der flexiblen Reaktion auf dieses Tun.

Man nimmt die eigene Improvisation wahr, während sie entsteht und reagiert unmittelbar darauf, indem man das Erlebte in die weitere Improvisation einbezieht. So kann „on the fly“ ein Werk entstehen, das ebenso geschlossen, spannungsvoll und strukturiert ist, wie eines, bei dem man sich an den Noten festhält. Dies ist der Punkt, wo Improvisation zur Meditation wird.

Wenn ich nicht mehr schreiben will, dann will ich gar nichts mehr!

Ich habe über die letzten fünf, sechs Jahre einen gewissen Grad an Professionalität erreicht, ich kenne mich mit der Technik nicht nur theoretisch aus, ich habe auch viel geübt, und indem ich andern die Technik beibringe, übe ich sie immer und immer wieder von neuem.

Dabei ist mir ganz genau das passiert, was Cassou im Hinblick auf Malerei und Nachmanovitch im Hinblick auf Musik beschreiben: Irgendwann kennt man seinen Werkzeugkasten. Und dann tut sich nicht mehr viel.

Genossen habe ich das Schreiben im letzten Jahr leider nicht besonders. Es war eher mit Druck behaftet:

Du musst schreiben, das ist das einzige, was du kannst. Deine Profession. Sonst hast du keine!

Und Du musst verkaufen, sonst kannst du davon nicht leben, und dann ist deine Profession nichts wert! Pass dich an, liefere, was sich verkauft!

Selbst die Trotzhaltung, die ich dagegen eingenommen habe, basiert letztlich auf demselben Arbeitsethos: Lasst mich doch endlich das perfekte Buch schreiben, Ihr Banausen! Ich muss doch etwas Authentisches sagen, etwas „von Bedeutung“. Ich will doch nicht nur austauschbare Füllware für die Midlist, sondern ein Lebensergebnis liefern, etwas, das später mal ein Beweis dafür ist, dass ich nicht völlig nutzlos hier gewesen bin … Gebt mir Geld dafür und zeigt mir, dass meine Arbeit etwas Wert ist!

Beide Haltungen sind nur Varianten von „aufs Ergebnis, aufs Ergebnis, aufs Ergebnis kommt es an!“

Und beides führt dazu, dass ich nicht mehr gerne schreibe, dass ich es als Last empfinde, die mich, statt mir Energie zu geben, zunehmend aushöhlt. Zugleich ist mir vollkommen klar: Wenn ich nicht mehr schreiben will, dann will ich gar nichts!

Können Schreiber improvisieren?

Aber zählt beim Schreiben nicht nun einmal der fertige Text, weil es nur das Ergebnis ist, das andere Menschen wahrnehmen können? Wenn ich Musikerin wäre, Schauspielerin, Tänzerin … könnte ich auf der Bühne improvisieren, und das Publikum würde die Improvisation als das „eigentliche“ Werk begreifen, und auch action painting ist eine Improvistationskunst. Nur: wer schaut irgendjemandem beim Schreiben zu? Kann man sich Öderes vorstellen?

In gewisser Weise ist das ganze Leben ein nicht abreißender Strom von Improvisationen. Wenn ich mit jemandem spreche, muss ich die Technik des Sprechens so gut beherrschen, dass ich mit Worten und Satzbau flexibel spielen kann, sie der Situation anpassen und das Gespräch genießen kann. Wenn ich über Waldboden gehe, muss ich die Technik des Gehens so gut beherrschen, dass ich nicht darüber nachdenken muss, wie um alles in der Welt ich hier bitte gehen soll, wenn ich den Spaziergang genießen will.

Wenn ich einen Text schreibe – so wie jetzt diesen hier – ohne vorherigen Plan, sondern einfach meinen Gedanken folge, dann muss ich die Technik des geordneten Selbstgesprächs, des Satzbaus und meine PC-Tastatur so weit beherrschen, dass ich annähernd so schnell schreiben kann, wie ich denke.

Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, kann ich anfangen zu spielen, und dann rückt nicht mehr das Ergebnis, sondern die Erfahrung des Schreibens selbst in den Vordergrund: Ich genieße, wie ein Gedanke aus dem andern folgt und der Text von selbst einen Bogen zu schlagen beginnt. Ich genieße das Gefühl, etwas zu begreifen, indem ich es in Worte fasse. Ich improvisiere nicht nur in meiner Vorstellung, sondern ganz konkret, auf der Tastatur.

Das Ergebnis der Improvisation ist noch etwas holperig. Aber das kann ich anschließend verbessern, bis ich das Ergebnis für präsentabel halte. Vielleicht lasse ich es auch, mal sehen.

Augen zu beim Schreiben!

Bei Nachmanovitch habe ich die Empfehlung gelesen, beim Schreiben die Augen zu schließen und blind zu tippen und sich ganz auf die unmittelbare Umsetzung von Innenwelt in Text zu konzentrieren. Das heißt für mich nicht zwangsweise, dass die Innenwelt im Augenblick der Improvisation keine Richtung oder kein Thema haben darf. Natürlich kann ich im Sinne der mentalen Entrümpelung einfach drauflosschreiben, und das kann befreiend und inspirierend sein. Ich kann jedoch auch ganz bewusst mit einem Gedanken, mit einem Bild, einem Vorgang beginnen und mich in eine zugleich gelöste und konzentrierte Aufmerksamkeit begeben, die tatsächlich vor allem einem meditativen Zustand ähnelt.

Genau das habe ich also gestern Abend versucht: Augen zu, Blick nach innen, Hände auf der Tastatur, bereit zum Protokoll.

Und tatsächlich! Nach Monaten des Stillstands habe ich den entscheidenden Wendepunkt für eine Novelle gefunden. Ich habe nach langer Durststrecke endlich mal wieder eine Sache getan, die ich beinahe vergessen hatte: Ich habe auf den Prozess des Schreibens selbst vertraut, darauf, dass mein Unterbewusstsein längst weiß, was zu tun ist.

Blockiert war dieses Wissen dadurch, dass ich nicht aufhören konnte, an das Ergebnis zu denken und ob es denn einen Verlag finden würde und auch gut genug würde. Stattdessen habe ich diesmal einfach improvisiert, ohne dabei mein Thema aus den Augen zu verlieren. Ich habe mir lediglich keine Sorgen mehr um Misstöne gemacht, habe Variationen zugelassen. Dabei bin ich auf eine unerwartete Melodie gestoßen, auf Bilder, die ich bewusst wohl nicht hätte planen können.

Etwas wagen, spielen, ausprobieren

Zwischenfazit für mich: Improvisation beim Schreiben gelingt – genau wie in jeder andern Kunstform – wenn man die Technik soweit beherrscht, dass man ihr vertrauen kann und dann den Mut aufbringt, sowohl auf die Technik als auch auf das Ergebnis zu verzichten.

Ich fange nach langem „Ernst“ gerade erst wieder an, frei zu spielen, und erinnere mich daran, dass es ein ganz bestimmtes Gefühl bei dieser Art von Spiel ist, weswegen ich ursprünglich mit dem Schreiben einmal begonnen habe: Es geht darum, ganz und gar einzutauchen in das Erleben einer Welt, die auf wundersame Weise entsteht, noch während man hinschaut. Man hat alle Hände voll zu tun, mit dem Stift hinterherzukommen und die Rätsel zu lösen, die sich dabei auftun, und man kann hinterher nicht sagen, wie man auf all diese Ideen gekommen ist. Sie waren eben da, also hat man sie festgehalten, um sie auch für andere sichtbar zu machen.

Michael Jackson hat über das Komponieren gesagt, dass es nichts damit zu tun hat, einen Song zu „erfinden“, sondern damit, einfach in die Musik hineinzutreten. „Just step into the music.“ Genau das meine ich, wenn ich sage: Man muss einfach in die Geschichte einsteigen und aufschreiben, was man dort zu sehen bekommt. Ob man vorher plant oder nicht, ist dabei eigentlich egal. Die einen schreiben besser mit, die andern ohne Plan.

Ein Plan kann ein gutes, stabiles Gerüst liefern, hat aber dann keinen Wert mehr, wenn er zum Korsett wird. Es hat keinen Sinn, eine Richtung zu erzwingen, wenn ich die Augen zumache und die Geschichte in der geplanten Richtung nun einmal nicht weitergeht. In dem Fall hilft nur: andere Richtungen ausprobieren, die Tonleiter in einer andern Reihenfolge spielen.

Wenn man im Professionalismus gefangen ist, dann fühlt sich Schreiben so an: Nur noch eine Seite, dann habe ich es für heute geschafft. 5.000 Zeichen noch, dann kann ich das Dokument endlich schließen. Nur noch eine Beratung, dann darf ich mich erschöpft in die Ecke werfen …

Beim Spielen ist das anders. Egal, wie anstrengend es ist, man will gar nicht aufhören: Nur eine Runde Gummitwist noch! Nur noch ein Tor schießen! Nur noch eine Seite schreiben, ich bin gerade so gut drin, bitte, nicht stören jetzt!

Wenn ich das Schreiben wieder so erleben kann, dann brauche ich niemanden, der mich dafür bezahlt, damit ich mich an den Schreibtisch setze, und ich brauche auch keine Hoffnung auf ein „bedeutsames“ Ergebnis, um mich motiviert zu fühlen. Dann ist es eher so, dass ich es nicht erwarten kann, endlich anzufangen. Dann gibt es auch kein Ende der Fahnenstange, sondern ich gebe mir die Chance, langsam immer besser zu werden.

Jetzt brauche ich nur noch einen Brotjob, der mir viel Zeit zum Spielen lässt. :-)

P.S.: Fürs Protokoll – ich habe die vorliegende Improvisation übers Schreiben einmal überarbeitet und Zwischenüberschriften eingefügt.

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Karla Schmidt am 11. März 2013 in Blog, Übers Schreiben

Angepasst originell, so passt der Schuh!

Gerade bei mir mal wieder aktuell: Ein Verlag möchte gerne “etwas eigenes”, aber es soll auch “passen”.
Das mausert sich irgendwie zum Dauerwiderspruch bei mir – Verlage möchten einerseits gerne eine “originelle künstlerische Leistung” einkaufen, finden zugleich aber, dass “Originalität” für die Gesetze der kalkulierbaren Marktbereiche eben nicht “konform” genug ist.

Die großen Erfolge entstehen meist dort, wo vorher keiner damit gerechnet hätte, wenn jemand etwas Originelles/Auffälliges gemacht hat, das zufällig zum richtigen Zeitpunkt an die richtigen Leute geraten ist. Das ist die Ausnahme von der Regel, und die meisten Autoren hoffen wahrscheinlich, dass sie zu diesen Ausnahmen gehören.

Doch wenn es um die kalkulierten und halbwegs kalkulierbaren Programmplätze der Verlage geht, dann scheint Originalität eher ein Verkaufshindernis zu sein, da sortiert man sich besser ein. Das Blöde dabei: Auf diese Weise wird man als Autor kaum ein eigenes Profil entwickeln, nicht auffallen, nicht bemerkt werden.

Darum würde ich einfach gerne klar trennen: “Kunst” und “Kunsthandwerk”. “Werk” und “Auftragsarbeit”. “Brotjob” und “Herzblut”.  Manche Autoren haben das Glück, dass ihr Herz ganz genau für das schlägt, was Verlage gerade suchen. Die sind aus dem Schneider es sein ihnen gegönnt.

Bei mir ist das etwas anders, was ich mit Leidenschaft gerne schreiben würde, ist meist “zu krass”, “zu schräg”, zu “was ist das überhaupt?”

Ich habe aber auch kein Problem mit  Auftragsarbeiten nach klarer Vorgabe, finde da nichts Ehrenrühriges dran. Es wäre einfach ein ehrlicher Umgang mit der Marktsituation. Wenn eine Vertriebsabteilung also einfach sagen würde:

Wir wollen zwei Pärchen in einer Skihütte, die von der Umwelt abgeschnitten wird, und dann sollen die erst alle durcheinandervögeln und sich dann gegenseitig umbringen. Oder: Wie wollen so ein Buch wie das von Autor XY, aber in einer andern Farbe.

Prima, da weiß ich, was ich zu tun habe und wie das Honorar ausfällt! Und es hieße nicht einmal, dass es keinen Spaß mache und keine Kreativität einfließt, sondern bloß, dass man die Kreativität eben innerhalb bestimmter, festgelegter Parameter nutzen muss.

Verlag sagt aber: Machen Sie doch mal was richtig schön Krasses, das können Sie doch. Wir wollen aber nichts Paranormales und keine missbrauchten Kinder (z.B.).

Daraufhin reiche ich mehrere Stoffe ein – ohne Paranormales und missbrauchte Kinder und schön krass. Ich folge dabei Ideen, die ich spannend finde, denen ich etwas abgewinnen kann, die mich auch über das Genre hinaus interessieren – von denen ich mir erhoffe, dass sie nicht nur Leser, sondern auch mich selbst in meiner Erkenntnisfähigkeit, meiner Erlebnisfähigkeit weiterbringen.

Antwort vom Verlag: “nicht das richtige” / “zu krass”

*Seufz* Ich weiß. Kenn ich schon. Also ich: Dann gebt mir doch bitte genauere Vorgaben. Ich kann doch nicht erraten, was ihr haben wollt, das wisst Ihr doch viel besser als ich. Was ich hingegen gut kann: Umsetzen, was Ihr haben wollt. Ich bin handwerklich gut, das Ergebnis wird spannend und sprachlich auf den Punkt geschrieben sein.

Verlag: Wir wollen aber keine “Reißbrettbücher”, das sollen doch eigenständige, künstlerische Arbeiten sein.

Liebe Vertriebsleute und Lektoren in den Verlagen: Wenn Ihr eigenständige künstlerische, originelle Leistungen wollt, dann müsst ihr genau das auch zulassen und glücklich sein, wenn Ihr keine Reißbrettbücher bekommt.

Wenn Ihr aber eigentlich am liebsten Reißbrettbücher wollt, dann seid doch einfach Euch selbst und den Autoren gegenüber so ehrlich, das auch zu sagen. Programmplätze füllen kann man auch mit sauberem Kunsthandwerk, da muss man keinen “authenische Autoren”-Mythos dranhängen.

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Karla Schmidt am 28. Februar 2013 in Blog

Zähflüssige Wirklichkeiten – warum Michael Jackson noch immer als Kinderschänder, Verleugner seiner Rasse und Verräter der Musik beschrieben wird

In den letzten Tagen habe ich anhand desselben Themas mehrmals dieselbe Beobachtung gemacht: mediale Wirklichkeit, die im quecksilbrigen Wechsel der Bilder so reaktionsschnell und aktuell wirken kann, ist tatsächlich zäh wie Harz und auch im explizit kritischen Journalismus und im medienwissenschaftlichen Kontext manchmal in einer Weise konservativ, die ich beunruhigend finde. Deutlich wurde mir das an drei Zitaten:

1. Jungle World, 7.2.2013 – Bagdad´s Smooth Criminals

So der Titel einer Reportage von Andrea Miluzzi und Linda Dorigo über jugendliche Tänzer in Bagdad, die den Unwillen der Behörden und der Gläubigen auf sich ziehen, weil sie ihre Kunst mangels Proberäumen in Parks und auf Straßen ausüben.

„Unter all den musikalischen Idolen gibt es einen, der über allen anderen steht: Michael Jackson, den sie einfach nur „the king“ nennen. „Als ich das Video von >Smooth Criminal< das erste Mal gesehen habe, war ich acht Jahre alt, es traf mich wie ein Blitzschlag“, erzählt Adel.
Es geht ihnen nicht nur um die Musik und um den Tanz, sondern auch um den Menschen Michael Jackson. Wenn es um ihren König geht, fangen alle plötzlich sehr laut zu reden an, als wollten sie zeigen, wer ihn am meisten liebt. Von den Skandalen um die Person Michael Jackson wollen sie nichts wissen: „Als er gestorben ist, haben wir geweint und tagelang schwarze Kleider getragen“, sagt Adel, „und wir reden nicht mehr mit Leuten, die Schlechtes über ihn sagen.“ Für ausländische Reporter ist das durchaus als Botschaft zu verstehen, den Prozess wegen Kindesmissbrauchs erwähnen wir daher an dieser Stelle lieber nicht.“

Die Reportage beschreibt die Kriminalisierungserfahrungen der Jugendlichen, lobt ihr tänzerisches Talent und belächelt ein wenig von oben herab die Naivität arabischer Kids, denen als rebellische Geste nichts besseres einfällt, als sich für westlichen Pop zu begeistern.
Dass diese Jugendlichen in ihren Aussagen differenzierter und informierter sind, als die Reporter, entgeht diesen komplett. Der Unterschied entspricht dem zwischen der Betrachtung eines Gegenstandes in der Boulevardpresse (Reporter) und der Durchdringung eines Gegenstands nach einer von leidenschaftlichem Interesse beflügelten Recherche (Jugendliche).
Das hat erstens damit zu tun, dass es kaum einen Gegenstand gibt, dessen mediale Repräsentation derart festgelegt ist, wie die Michael Jacksons. Zweitens gibt es möglicherweise keine andere Fangemeinde, die derart mit biografischem, medizinischem und gerichtlichem Detailwissen bewaffnet ist, wie die von Michael Jackson.
Gerade weil Jackson ab einem bestimmten Punkt in der Öffentlichkeit systematisch verlacht und später dämonisiert wurde, sind Fans gezwungen, hinter die Kulissen zu schauen und aus den medialen Inszenierungen das herauszudestillieren, was einer möglichen Wahrheit am nächsten kommt. Was daraus entsteht, ist fast immer gesteigerter Respekt für einen Künstler, der ansonsten wenn nicht unheimlich, so doch zumindest befremdlich bleibt.
Das erscheint im Kontext einer Medienkultur, die eindeutig provokative Stars wie Marilyn Manson oder Lady Gaga hervorbringt, erstaunlich. Doch Jackson hat sich eben nicht als „Provokateur“ gegeben, er ließ sich dort nicht einsortieren, während sein Lebensstil und sein Erfolg zugleich als höchst provokant empfunden wurden . Jackson saß in mehr als nur einer Hinsicht konsequent zwischen den Stühlen, und dieser Status hat den Kern seines Schaffens als Musiker und Tänzer stets überschattet.

2. Lisa Gotto: Touch / Don´t Touch – interkulturelle Körperkontakte im Videoclip. In: Ivo Ritzer / Marcus Stiglegger (Hrsg.): Global Bodies. Mediale Repräsentationen des Körpers. (Berlin 2012)

Lisa Gotto schreibt in ihrem Beitrag unter anderem über Michael Jacksons Shortfim zu dem Stück Black or White (1992). Die Passage des Essays ist von Ungenauigkeiten und Oberflächlichkeiten durchzogen, die im folgenden Zitat mit am deutlichsten zutage treten:

„Der Eindruck ethnischer Vielfalt wird noch einmal aufgenommen und gesteigert in einer Abfolge von Gesichtern, die mittels Morphing auseinander hervor- und ineinander übergehen. Zu sehen sind unterschiedliche Hautfarben und Physiognomien, deren Wechsel sich in einer einzigen fließenden Bewegung zu vollziehen scheint.
Der nächste Teil zeigt ein weiteres Morphing. Aus einem schwarzen Panther erwächst Michael Jackson, dessen zuckende Tanzbewegungen nun nicht mehr von Musik oder Gesang begleitet werden. Es folgen Schreie und Gewaltausbrüche […] Was auf der Ebene des Songtextes angekündigt wird – „It don´t matter if your black or white“ -, das scheint sich auch über die Bilder mitzuteilen und in ihnen auszubreiten […] Geht es hier also um die Unterminierung der Differenz, um die Auflösung und Auslöschung des Unterschieds? Um die Feier einer formvollendeten Formlosigkeit? In der Diskussion um das Morphing ist diese Position mehrfach vertreten worden.“ (S.235f.)

Die Autorin nimmt diese Idee auf und führt anhand verschiedener Zitate weiter aus, dass das Morphing hier die Illusion transformativer Identitäten bezüglich Rasse, Alter und Geschlecht erzeuge, wo es in Wirklichkeit doch nur eine unbehagliche Einheitsform hervorbringe: Die des lächelnden, schönen Menschen.

„Damit ist eine Befürchtung aufgenommen, die Jean Baudrillard bereits als Charakteristikum des Videostadiums gekennzeichnet hatte. Er spricht von der „endlose(n) Angleichung des Menschen an sich selbst.“; von einer Vervielfachung, die das Distinkte zu unterminieren, ja zu zerstören drohe […]. Nicht als befreiendes Moment tritt uns hier die Angleichung entgegen, sondern als beunruhigende Assimilation.“ (S.236f.)

Dies werde auch dadurch unterstützt, dass die Morphing-Sequenz weder einen signifikanten Anfang noch ein Ende habe; die Narration sei hier der Flow selbst, der keine Zuordnung authentischer oder ursprünglicher Merkmale mehr aufweise, ebenso wie Michael Jacksons durch Operationen assimiliertes Gesicht (ebd.)

Beunruhigende Gleichmacherei

Folgt man dieser Argumentation, findet hier keine Befreiung im Sinne eines gleichberechtigten Ausdrucks von Differenz statt, sondern eine beunruhigende Entdifferenzierung und „Gleichmacherei“ unter der Ägide des Popmusikvideos. Es ist interessant, mit welchem Einmut die von der Autorin zitierten Artikel diese Beunruhigung teilen.

Bei dieser Sicht auf die Morphing-Sequenz handelt es sich meiner Meinung nach jedoch um eine eklatante Fehlinterpretation und zeigt vor allem eins: Die Beunruhigung, die Jackson ständig sich wandelnde Erscheinung auslöst, wir hier weitgehend unreflektiert auf seine Arbeit übertragen. Eine genaue Analyse des Videoclips findet nicht statt. Die Morphingsequenz weist z.B. durchaus ein – deutlich ironisches – Ende auf. Sie erschließt sich erst dann, wenn man die anderen Passagen des Films, die musikalische Ausgestaltung, den Tanzstil, Jacksons Stellung in der Öffentlichkeit und den zeitgeschichtlichen Kontext in die Interpretation einbezieht. Gottos Betrachtung des Videos ist in einer Weise oberflächlich, die zu einer allzu unhinterfragten Bestätigung der Sicht auf Jackson als „Verleugner seiner Rasse“ führt – einem Bild, das sich seit 1987 konsequent und vorwurfsvoll durch die Rezeption zieht.

3. David Brun Lambert: Der Phönix der Popszene. In: Starcollector: Michael Jackson – Ausgabe 04/2012

Eine Publikation für Fans, die ich am Bahnhofskiosk erstanden habe. Hier geht es also nicht um eine sozialkritische Reportage oder einen medienwissenschaftlichen Aufsatz, sondern um etwas ganz Einfaches: einen Star in bestem Licht erscheinen zu lassen, die schönen und glamourösen Seiten zu betonen und Leser möglichst nicht durch unbequeme Themen vom Kauf seiner Alben abzuhalten. David Brun-Lambert vertritt hier die – nicht neue, aber bisher kaum differenziert untersuchte – These, dass hinter den Angriffen auf Jackson die alte amerikanische Rassenproblematik stecken könnte. Insofern ist dieser Artikel bereits einen Schritt weiter, als die beiten ersten zitierten Texte. Von dennoch mangelnder Kenntnis des Gegenstands spricht in diesem Kontext eine solche Formulierung:

„Er hatte davon geträumt, anders zu sein und verkörperte das Versprechen der Popszene: „Werde zu dem, der du sein willst.“ Doch ein Schwarzer, der weiß werden will, ist für den amerikanischen Puritanismus nicht akzeptabel.“

Das ist soweit korrekt, verkennt jedoch die Tatsache, dass Jackson durchaus nicht freiwillig weiß geworden ist. Die Angriffe sind zudem auch nicht allein daraus zu erklären, dass er weiß wurde, die Dynamik war komplexer und speiste sich außer aus der Rassenproblematik auch aus der Weigerung Jacksons, über sein Privatleben zu sprechen und einen Lebensstil, der sich an sowohl christlichen Grundwerten als auch an romantischen Künstler-Idealen orientierte.

Künstler oder Kalkulator?

Ich will den Zitaten zugrundeliegenden Denkfiguren ein wenig genauer aufschlüsseln. Ich werde mir hier nicht den Raum nehmen, den Kindesmissbrauchsprozess, der im ersten Zitat zum Stein des Anstoßes wird, im einzelnen zu analysieren – das ist ein Thema, das allein ganze Bücher füllen kann. Es sei hier nur angemerkt, dass sowohl die Prozessakten als auch ein großer Teil von Jacksons FBI-Akte im Internet einsehbar ist und dass Jackson aus gutem Grund in allen Anklagepunkten freigesprochen wurde. Hierzu gibt es mittlerweile reichhaltiges Material, das jedoch in Presseartikeln selten Niederschlag findet, weil Journalisten in der Regel nicht so viel Rechercheaufwand betreiben, wie es z.B. im akademischen Kontext notwendig wäre. (Auch dort wird das Thema bisher jedoch nicht analytisch behandelt.)

Den Shortfilm zu Black or White will ich hingegen eingehender beschreiben. Durch genaue Betrachtung einer konkreten Arbeit lässt sich normalerweise mehr über das Ideengebäude eines Künstlers herausfinden als aus irgendwelchen anderen Quellen.
Es gibt bisher nur sehr wenige Publikationen, die sich explizit mit Jacksons Arbeit auseinandersetzen (Joseph Vogels Man in the Music gehört zu den Ausnahmen). Möglicherweise, weil Jackson als kommerzieller Unterhaltungskünstler gilt, dessen Werk keine Betrachtung als Ausdruck einer Künstlerpersönlichkeit verdient. Sowohl Jacksons Musik als auch seine Videos sind jedoch nicht zuerst Produkte für einen willkürlich mit bunten Bildern zu speisenden Markt gewesen, sondern bewusster, oft hart erarbeiteter Ausdruck, und die ästhetischen Konzeptionen dahinter waren nicht nur brillant, sie erweisen sich auch als weitgehend zeitlos.

Die Miskonzeption Jacksons als kindhaft-naives Wesen stand in krassem Widerspruch zu seiner Arbeit, weswegen es für Kritiker oft schwierig war, die Persona Jackson mit dem Schaffen Jacksons in Übereinstimmung zu bringen, was wiederum dazu führte, dass dieses Schaffen aus dem Blickwinkel eines Voraburteils betrachtet wurde: Was lediglich kalkulierter Kommerz ist, kann keine Kunst sein, und wo sich die Spannung zwischen Gegensätzen nicht in ein einheitliches Bild auflösen lässt, ist etwas verdächtig. Das Naive und das perfektionistisch Durchdachte, das Jackson zugleich verkörperte, schien nicht zusammenzupassen, und darum konnte nur eins von beidem richtig sein.
In einem solchen Blick auf Jacksons Lebensstil und Arbeit wird ersichtlich, warum sich die Geschichte vom „Kinderschänder Jackson“ ebenso hartnäckig hält, wie die vom “Weißeinwollen”  oder vom “kapitalistischen Verräter der wahren Musik” – sogar (oder gerade?) in Publikationen, die sich die kritische Aufdeckung repressiver Denkmuster auf die Fahnen geschrieben haben.

Warum der „gute Neger“ zum „Freak“ wurde

Bei kaum einem andern Star mit solch großer Sicherheit auszuschließen, dass er pädophil war, wie bei Jackson, da bei keinem je so gründlich in der Unterwäsche gewühlt worden ist. Dass man dabei nicht fündig wurde, ist ein Rätsel und ein Ärgernis, das bereits während des Prozesses 2005 für Verschwörungstheorien gesorgt hat – Jackson sei zu reich und zu mächtig, er nutze vielleicht Seilschaften zum organisierten Islam, um sich aus der Affäre zu ziehen. Ist dies die Verbindung zu den Kids aus Bagdad? Erklärt sich vielleicht so, warum sie auf ihren „King“ nichts kommen lassen?

Warum glänzt das Zitat aus der Jungle World Reportage mit solch großer Arroganz und Uninformiertheit? Dass Jackson 2005 freigesprochen wurde, ist von den Medien jeglicher Couleur mit einer gewissen Enttäuschung zur Kenntnis genommen worden. Jackson verurteilt – das hätte nicht nur eine bessere Story gegeben, sondern es hätte auch dem Bild entsprochen, das sich bereits 1983 mit dem Titel „Wacko Jacko“, der Jackson von der britischen SUN verliehen worden war, abzuzeichnen begann und sich spätestens Ende der 1980er mit einem bereits deutlich erbleichten und effeminierten Jackson weiter verfestigte.

Jackson war zunächst noch, wie vor ihm Marvin Gaye, der „gute Neger“ gewesen, höflich, feinsinnig, immer mit einem Lächeln auf den Lippen, dessen „vom Tellerwäscher zum Millionär“-Geschichte wunderbar in die nationale Narration der Machbarkeit passte.
Für Off the Wall gab man ihm zwei Grammys. Doch Jackson war damit nicht zufrieden, er wollte mehr und wusste, dass er mehr erreichen konnte. Er wollte dem von ihm verehrten Charlie Chaplin nacheifern und eine Ausdrucksweise schaffen, die Menschen auf der ganzen Welt emotional berührte. Das Ghetto der „schwarzen Musik“, die damals noch in von den „weißen“ Charts getrennten Charts gelistet wurde, wollte er hinter sich lassen. Genau das gelang:

Dass nächste Album war Thriller, das den damals krisenhaft geschrumpften Plattenmarkt neu definierte und sowohl die weißen als auch die schwarzen Charts anführte. Es wird darüber gern in Superlativen geredet, das ist ja auch sehr reizvoll: Thriller ist mit über 100 Millionen verkauften Exemplaren bis heute das meistverkaufte Album aller Zeiten.

Der Affront bestand darin, dass Jackson damit den gut abgesteckten Bereich schwarzer Unterhaltungsmusik endgültig verließ und sein eigenes Amalgam aus (schwarzem) Soul, (weißem) Rock, Disco, Pop, Musical, später Hip Hop, Beatboxing, klassischer und „ernster“ Musik schuf. Das Ergebnis war elektrisierend und Jackson bewirkte beinahe im Alleinhang eine so radikale Globalisierung der Musikindustrie, dass es ihm manche Kollegen verübeln – wie beispielsweise der weiße Künstler Fatboy Slim, der anmerkte, Jackson hätte besser bei seinem ehrlichen Soul bleiben sollen, statt aus Musik eine Marktmaschinerie zu machen. Nicht nur seiner Ansicht nach hatte Jackson durch seinen kommerziellen Erfolg die „wahre Musik“ verraten; wie immer, wenn jemand mit einer Sache Erfolg hat, steht im Gefolge eine Industrie, die den Erfolg mit andern Stars zu reproduzieren versucht. Den Vorwurf an den Künstler zu richten, der mit seiner Arbeit diese Lawine losgetreten hat, entspricht der These von der Differenz auslöschenden Gleichmacherei, die in der Betrachtung des Black or White Shortfilms bei Gotto für so viel Unbehagen sorgt: Es handelt sich schlicht um eine Projektion.
Eine solche projektive Kritik scheint auf den ersten Blick jedes Rassismus abhold zu sein. Deutlich sichtbar wird Rassismus erst, als Jackson zunehmend nicht mehr als Schwarzer erkennbar ist. Der Vorwurf, er wolle „weiß“ sein, wurde laut. Jackson hat zunächst wenig dafür getan, den Behauptungen die Nahrung zu entziehen. Im Gegenteil hat er anfangs, als er sich eingehend mit dem amerikanischen Zirkusdirektor P.T. Barnum beschäftigt hat, für eine Selbstinszenierung als „Freak“ entschieden. (Freakschows, in denen unter anderem „weiße Neger“ ausgestellt wurden, waren im Europa und in den USA des 19. Jahrhunderts Gang und Gäbe.) Jackson versuchte, aus einer Not eine Tugend zu machen, mit den medialen Repräsentationen zu spielen und so die Realität zu steuern – Geister, die er rief und nachher nicht mehr loswurde.
Die konkrete Not, die zur Tugend gemacht werden musste, nannte sich Vitiligo; die Krankheit, die eine Depigmentierung der Haut zur Folge hat, wurde bereits 1984 diagnostiziert, 1993 hat Jackson in Oprah Winfreys Talkshow, wenn auch sichtlich mit Schamgefühlen behaftet, darüber gesprochen.
Geglaubt hat ihm die Presse zu diesem Zeitpunkt nicht, man stellte sogar die Existenz einer solchen Krankheit gleich ganz in Frage. Doch warum glaubte keiner an eine Hautkrankheit, warum war es naheliegender, an den Freak zu glauben, der sich selbst zum Schneewittchen macht?

Pinocchio schneidet sich die Nase ab

Da wäre zunächst der Mythos vom Selbsthass Jacksons, genährt von einem brutalen Vater, einer schweren Akne in der Pubertät und das schnelle Wachstum einer auffälligen Nase, die das Image des „süßen Jungen“ innerhalb weniger Monate zunichte machte. Sobald er volljährig war, hat Jackson sich die breite, fleischige Nase in eine gerade, schmale Nase verwandeln lassen. Die war im ersten Anlauf einigermaßen kaukasisch geraten, im zweiten Schritt jedoch war das Ergebnis nicht kaukasisch, sondern vor allem: künstlich.
Der plastische Chirurg Stephen Hoeffling hatte Jackson dreieckige Nasenlöcher und eine schiefe, aufwärts strebende Nasenspitze verpasst, die eher nach einem Comic als nach einem Menschen aussah. Es wird sich wohl nicht mehr klären lassen, ob dies ein Unfall war oder dem Kundenwunsch entsprach. Gewiss ist nur: Die Nase hat sich danach (trotz anders lautender Medienberichte) im Wesentlichen nicht mehr verändert. Weitere Operationen dienten dem Erhalt, nicht der Umgestaltung, denn bei der zweiten Operation wurde so viel Knorpelgewebe entfernt, dass die Nase nicht mehr richtig durchblutet wurde.
Diese weder „schwarze“ noch „weiße“ Nase trug Jackson also bereits in den 1980er Jahren. Dennoch begann erst 1993 nach den ersten Kindesmissbrauchs-Vorwürfen die Presse wegen dieser Nase Amok zu laufen. Es kursierten aus ungünstigem Winkel aufgenommene, groteske Bilder und Montagen, in denen Jackson gar keine Nase hatte. (Angeblich bewahrte er seine Prothese in einem Krug auf; eine Geschichte, zu der der Pathologe, der Jackson obduziert hat, auf Nachfrage nur lakonisch antwortete: Natürlich hatte der Mann eine Nase.)
Dieses plötzliche Interesse an Jacksons Nase ist in einem ganz banal freudianischem Sinne zu verstehen: Der Mann hat Böses getan mit seinem Geschlecht; die logische Selbstbestrafung besteht in der Amputation der eigenen Nase.

Jackson hat auch mit dieser Geschichte noch zu spielen versucht: Während einer Bühnenprobe ließ er eine Wachsnase über die Bühne fliegen, fasste sich ins Gesicht und schrie hysterisch. Am nächsten Tag sah er wieder ganz normal aus. Interessanterweise wurde dieser tricksterhafte Spaß nicht als solcher verstanden. Die Nachricht, die um die Welt ging, lautete: Jackson ist bei einer Probe die Nase weggeflogen!
Die Absurdität solch grotesker Geschichten besteht nicht darin, dass sie erfunden sind. Sie besteht darin, dass die Erfindung als Realität interpretiert wurde. Nun war nicht mehr die Geschichte grotesk, sondern Jackson war es. Der Zauberlehrling mit Chaplins Verspieltheit und P.T. Barnums Raffinesse hatte 1993 bereits weitgehend die Kontrolle über den Zirkus verloren.

Wirklichkeit ist das Bild, das wir uns von ihr machen

Wie einfach es ist, jegliche Art von Geschichten zu inszenieren, zeigte in den 1990er Jahren die britische Künstlerin Alison Jackson. Sie arbeitete mit Doppelgängern von Prominenten und inszenierte nie stattgefundene Situationen, z.B. Prinzessin Diana, die den Stinkefinger zeigt oder die Queen auf der Toilette.
Eine Reihe ihrer Bilder zeigte „Michael Jackson“ – mit zerstörter Nase, Weinflasche oder mit schwarzseidener surgical mask, auf den Knien ein schreiendes Kleinkind, in der Hand einen Lippenstift, mit dem er dessen Gesicht beschmiert. Diese Bilder sind so inszeniert, als seien ihre Objekte im Sinne eines Paparazzi-Shots „auf frischer Tat ertappt“ worden – und sie wirken authentisch, wenn man bereit ist, sie nicht als Inszenierung, sondern als „Nachricht“ zu begreifen.

Dass Jackson sich vorsätzlich zum Weißen machte, war vor dem Hintergrund seines Erfolgs, der Rätsel um seine Person und der Narrationen, die er selbst um sich herum zu weben begonnen hatte, tatsächlich leichter zu glauben, als die schlichte und banale Wahrheit einer demütigenden, identitätszerfressenden Hautkrankheit.

Auch nach Jacksons Tod und der Bestätigung von Vitiligo durch den Pathologen nahm die Presse dieses Faktum eher stillschweigend zur Kenntnis. Wie man an dem Star Collector-Zitat sehen kann, ist es noch immer die Geschichte von dem Schwarzen, der lieber weiß sein wollte, der den Hals nicht voll bekam, obwohl er doch schon alles und mehr hatte, als die meisten Weißen auf diesem Planeten, die die Gemüter erregt. Die Narration vom „tragischen Jackson“ beginnt sich parallel zu der des „dämonischen Jackson“ durchzusetzen, doch auch für diese ist die Geschichte vom „Weißseinwollen“ konstitutiv.

Der Schritt zur Kriminalisierung des Zauberlehrlings war nun nicht mehr groß, und er wurde auf breiter Front vollzogen, wie man an dem Zitat aus der Jungle World gut sehen kann – womit ich schließlich zum Black or White Shortfilm komme.

Inszenierung der Differenz – die „Ethnie Michael Jackson“

Für Michael Jackson den Menschen dürfte die Vitiligo-Diagnose auf dem Höhepunkt seines Ruhms eine traumatische Situation dargestellt haben. Die Entscheidung, die Krankheit aktiv in die Selbstinszenierung einzubeziehen und Rätsel und Mythos weiter zu nähren, war für ein Kind, das vor Kameralinsen aufgewachsen war, konsequent. The Show must go on!
Was Jackson inszenierte, war jedoch nicht, wie vielfach konstatiert, „Whiteness“ – sondern Unverwechselbarkeit, oder auch Differenz. Jackson sah 1987, 1988 bereits nicht mehr wie ein Schwarzer aus mit der hell überschminkten Haut und der schmalen Nase. Er sah mit den langen Jheri-Curls aber auch nicht wie ein Weißer aus. Er hob mit Make Up feminine Züge hervor, sah dabei aber nicht wie eine Tunte aus, weil er zugleich auch die Hüfte mit breiten Gürteln und den Schritt mit expliziten Tanzgesten betonte. Seine Ausstrahlung konnte die eines schüchternen jungen Mannes, eines exzentrischen Aristokraten oder eines ausgemachten Machos sein.
Diese Zusammenstellung von Race- und Gendermerkmalen sah von Anfang an unverkennbar ausschließlich wie Michael Jackson aus, er bildete sozusagen seine eigene Ethnie. Das gilt für jedes Stadium seiner weiteren Karriere, während der er mal Papierweiß mit grellrotem Lippenstift in Erscheinung treten konnte, zu anderen Gelegenheiten maskiert und dann wieder praktisch ungeschminkt.

In der Rio-Version des Videos They don´t care about us (1996) zeigt Jackson sich beispielsweise weitgehend so, wie er auch zuhause anzutreffen war: in einfacher Kleidung, ohne Perücke und aufwändiges Make Up. Das nach einem Brandunfall 1984 und durch eine weitere Autoimmunerkrankung (Diskoider Lupus) dünner gewordene Haar und die kaum kaschierten Vitiligo-Flecken auf Brust und Armen wurden im allgemeinen nicht wahrgenommen, weil der Blick darauf nicht geeicht war.

Stattdessen lag der Fokus auf den Features des Gesichts: Ist das eine Nase oder eine Prothese, hat er sich spitzere Wangenknochen machen lassen, die Augen vergrößern, …?
Das Interessante daran ist, dass man anhand von Bildern jegliche Aussage beweisen kann, z.B. dass Jackson an seinem Gesicht „kaum etwas hat machen lassen“ ebenso wie dass er „über 50 Operationen“ hatte. Es ist möglich (und wird auf youtube auch so betrieben), Morphings mit Jacksons Gesicht anzufertigen, die beweisen, was immer zu beweisen das Ziel ist. Dass Jackson dabei immer eindeutig als Jackson erkennbar bleibt, ist das eigentlich Erstaunliche dabei.

Morphing

Es ist die „Ethnie Michael Jackson“, die im Video zu Black or White neben weiteren Ethnien ihren Auftritt hat. Der zitierte Aufsatz von Gotto enthält einen interessanten Ansatz: Der fließende Selbsthervorbringung des Immergleichen als Inhalt der Narration im Gegensatz zur filmischen Montage, die durch Kontrast Spannungsbrüche erzeugen kann.

Die Morphing-Sequenz inszeniert in der Tat das „ewig Menschliche“ und darum allen Menschen Gleiche. Was hier – bewusst naiv auch mit der Unterlegung einer musikalischen, die in Art eines kindlichen Abzählreims wiederholt wird (it´s black, it´s white, it´s tough for you to get by) – erzählt wird, ist das Glück des Menschseins an sich, unabhängig von Form, Farbe oder Geschlecht. Den Kitschfaktor verliert diese Sequenz auch im Kontext des gesamten Shortfilms nicht, er wird durch Kontrast und Selbstkommentierung sogar hervorgehoben.

Beginnen wir also damit das Video in den zeitgeschichtlichen Kontext zu stellen, sehen wir uns Jacksons Position und Image in der Öffentlichkeit zu diesem Zeitpunkt an und gehen dann die Sequenzen des Videos im Detail durch.

Slapstick-Anarchie und der „angry black man“

1990 – Die Komödie Kevin Allein zu haus kommt in die Kinos und macht den jungen Macauley Culkin über Nacht zum Star. Der Film bedient sich aus dem Repertoire des klassisch anarchischen Slapstick. Michael Jackson, ein Fan von Chaplin und den Stooges und ein Mensch, der oft besser mit Kindern als mit Erwachsenen auskam (weil Kinder „nichts von ihm wollten“), freundet sich mit Culkin an. Er wird mit einem deutlichen Erfahrungsvorsprung des ehemaligen Kinderstars ein wichtiger Verbündeter für Culkin, der einer der wenigen Prominenten ist, die während des Kindesmissbrauchsprozesses 2005 für Jackson vor Gericht aussagen werden.

Los Angeles 1991 – Weiße Polizisten verprügeln Schwarze, Schwarze schlagen zurück, ziehen Weiße aus ihren Autos, treten zu. Die Gewalt eskaliert. Die militante Black Panther Bewegung kommt in dieser Zeit zu einiger Berühmtheit.
Jackson, der nicht weit vom Brandherd entfernt lebt, ist von den Ereignissen nicht nur erschüttert, sondern der „good negro“ der Anfangsjahre solidarisiert sich mit den Schwarzen und zeigt sich hier zum ersten Mal explizit als „angry black man“ und bringt diese Solidarität in Black or White zum Ausdruck.
Die Panther Dance-Sequenz am Ende des Shortfilms führt erstmals dazu, dass eine Arbeit von Jackson boykottiert und zensiert wird. Es wird später – im Zusammenhang mit dem Album HIStory und dem knapp 40-minütigen Kurzfilm Ghosts – zwei weitere Zensur-Fälle geben, die Jackson immer dort beschneiden, wo er Unrecht nicht mehr mit dem netten Lächeln des We are the World-Gutmenschen begegnet, sondern zunehmend scharfzüngig und wütend.

1993 – die Oprah Winfrey Show zu Gast auf Michael Jacksons Neverland-Ranch. Vor laufender Kamera und globalem Rekordpublikum erklärt Jackson: I have this scin desease, vitiligo … Die Situation ist Jackson sichtlich peinlich, was dazu beiträgt, dass seine „Aussage“ als „Ausrede“ wahrgenommen wird.

Doch zum Zeitpunkt von Black or White wusste die Weltöffentlichkeit noch nicht um die „Ausrede“ Vitiligo. Als der Clip erschien, war der Effekt folgender:
Der weiße Neger erzählt der Welt, dass es nicht darauf ankommt, ob man schwarz oder weiß ist.
War dies nun eine kommerziell motivierte Heuchelei? Oder Zynismus? Wie konnte er so etwas singen, wenn es ihm selbst offenbar so wichtig war, möglichst weiß zu erscheinen? Das war widersprüchlich und damit suspekt.

Jackson war sich dieses Widerspruchs bewusst, und er ließ ihn absichtlich unaufgelöst. Warum? Weil ein unaufgelöster Widerspruch Spannung erzeugt, der man sich nur schwer entziehen kann. Jackson machte erneut aus der Not eine Tugend – und war im Gespräch.
Dieses „im Gespräch sein“ war auf lange Sicht für das Image Jacksons als ernstzunehmender Künstler jedoch wohl eher kontraproduktiv. Die Idee, die Öffentlichkeit werde den Künstler zuerst nach seiner Arbeit beurteilen, hat sich mit den Jahren immer weniger erfüllt – zum Teil auch, weil Jacksons erfolgreiche Weigerung, sich einer Gruppe oder Schublade zuzuordnen, Teil seiner künstlerischen Arbeit war. Die fortwährend ungelöste Frage „wer oder was ist Michael Jackson?“ gehörte zum Programm, das eben nicht für Assimilation, sondern für Differenz sorgte und für Differenziertheit hätte sorgen können, wenn man weniger die vermeintliche Person und mehr den musikalischen Output ins analytische Visier genommen hätte.
Dass Jacksons Mission ausdrücklich die von Toleranz und Interkulturalität war, widerspricht seiner herausgehobenen Erscheinung nicht, im Gegenteil: Indem er so explizit ausschließlich Jackson und different ist, fordert er Toleranz ein, denn Toleranz verlangt eine positive Anerkennung des Unterschieds als Wert an sich.

Die Inszenierung der Inszenierung

Der Black or White Shortfilm beginnt im Weltraum, die Kamera zoomt in eine weiße, amerikanische Mittelschicht-Vorstadt. Der Vater sitzt vor dem Fernseher, die Mutter, wie ein hypnotisiertes Kaninchen auf dem Sofa, liest ein Boulevard-Blatt. Der Sohn tobt sich – bei rebellischer Rockmusik – in seinem Zimmer aus und spielt Luftgitarre. An seinen Wänden Poster von Bart Simpson und Michael Jackson.
Den Vater stört dieser Ausdruck kindlicher Energie und Kreativität bei seinem Baseballspiel, er befiehlt Bettruhe. Der Junge ist jedoch nicht irgendein Junge, sondern Macauley Culkin, alias „Kevin allein zu haus“. Seine Antwort: Haushohe Boxen, eine rote Gitarre, eine verächtliche Geste aus Jacksons BAD-Schortfilm und eine absurd hohe Lautstärke.

Der Vater fliegt bei diesem Lärm samt Fernsehsessel durch das Dach des Einfamilien-Fertighauses – und landet in der Savanne Afrikas. Hier beginnt die eigentliche Show.

Wiege der Musik

Die einleitende weiße Mittelschicht-Szene hatte die Funktion eines Prologs, erst danach beginnt der eigentliche Song. Es ist kein Zufall, dass Jackson den Zuschauer (zusammen mit dem Mittelschicht-Vater) nach Afrika versetzt: Hier liegen die Wurzeln von Jacksons Musik.
Die Lehrmeinung besagt, dass schwarze Musik die Rhythmik als Basis verwende, während weiße Musik auf Melodie basiere. Jackson, Inbegriff des musikalischen Amalgams, steigt hier in einen Rocksong (mit Dance und HipHop Elementen) im optimistischen up beat Tempo ein. Zunächst ist noch alles am Rhythmus und einem eingängigen Gitarrenriff orientiert, der Gesang setzt erst ein, nachdem Jackson mit einer Gruppe schwarzer Krieger getanzt hat, wobei er ihre Bewegungen adaptiert, ohne seinen eigenen Tanzstil zu verlassen.
Alle weiteren Tanzbegegnungen zwischen Jackson und anderen ethnischen Gruppen sind deutlich als „inszeniert“ markiert – sie finden vor grauem Studio-Hintergrund statt, oder es werden in fließenden Übergängen Backgrounds eingeblendet. Besonders deutlich wird das in der „Indianer-Sequenz“, ein für Touristen inszeniertes „Eingeborenenspektakel“.
In der Begegnung mit einer indonesischen Tänzerin auf dem Grünstreifen einer Straße liest Jackson zunächst – wie zuvor die weiße Mittelschicht-Mutter – eine Zeitung, knüllt diese jedoch schnell zusammen und wendet sich der Tänzerin und damit dem Wesentlichen zu: dem Ausdruck von Individualität und von Einheit in der Differenz im Tanz.

Die gesamte Sequenz, von den afrikanischen bis zu den russischen Tänzern, wird gerne als Ausdruck einer naiven „Multikulti“-Propaganda interpretiert. Dabei wird der Aspekt des Tanzes jedoch zu wenig berücksichtigt, der nicht nur hier, sondern schon in früheren Jackson-Videos (vor allem Beat it und BAD) stellvertretend für „Ausdruck / Kreativität“ steht: In der Individualität des Ausdrucks kommen Menschen zusammen und überwinden Spannungen. Jackson „lernt“ von den kulturspezifischen Ausdrucksweisen, die in seinem eigenen Tanzstil zu einem eigenen Ausdruck zusammenfließen.

Eine Bridge zwischen Schwarz und Weiß

Auf die „Ethno-Tanzsequenz“ folgen – für einen Rocksong ungewöhnlich – zwei musikalische Bridges, Zwischenspiele, die einen Song musikalisch mit neuem Kontext und neuer Spannung aufladen. Hierbei werden musikalische Identitäten unterlaufen:
Die erste Bridge ist eine typische „weiße“ Hard Rock Sequenz. Der „Nigger“ Jackson geht durch die Feuer des Ku Klux Klan und kommt gestählt daraus hervor. Die „aggressive“ Musik benutzt Jackson hier im biblischen Sinne von „Schwerter zu Flugscharen“ – eine Technik, die er später bewusst und in provokanterer Weise im Zusammenhang mit dem HIStory-Album ausbauen wird, wenn er rassistische Lyrik des 19. Jahrhunderts (Little Susie) oder Riefenstahls Propaganda-Ästhetik (HIStory-Teaser) adaptiert und für seine Zwecke ummünzt.
Bei der zweiten Brigde handelt es sich um einen Rap:

„Protection
for gangs, clubs
and nations
causing grief in
human relations
it’s a turf war
on a global scale
I’d rather hear both sides
of the tale.
See, it’s not about races
just places
faces
where your blood
comes from
is where your space is
I’ve seen the bright
get duller
I’m not going to spend
my life being a color.“

Dieser Text stammt nicht von Jackson und wird auch nicht von ihm, sondern von einer andern Männerstimme gerappt, während Macauley Culkin dazu die Lippen bewegt. Wir befinden uns auf einer Straßenszene, die Rapper sind Kids aller Hautfarben, die wiederum ihre Individualität und Kreativität ausdrücken.
Ein interessantes Detail ist, dass Jackson bei den Studio-Aufnahmen durch Unterlassung dafür gesorgt hat, dass die Rap-Sequenz von einem Weißen (Bill Botrell) gerappt wurde. Botrell hatte immer wieder darauf gedrängt, dass man einen „richtigen“ schwarzen Rapper für diese Bridge engagieren müsse, doch Jackson hat sich nicht bewegt, bis Botrell selbst zu Demozwecken eine Version einrappte und Jackson entschied: Perfekt, das nehmen wir.

So kommt es, dass in den beiden Bridges von Black or Whiete weiße Musik von einem Schwarzen und schwarze Musik von einem Weißen performt wird.

Das Ärgernis der Heuchelei

„I´m not gonna spend my life beeing a colour“ – ein irritierender Satz aus dem Munde eines Schwarzen, für dessen Erbleichen bislang jede Erklärung fehlte. Doch noch lässt Jackson das Publikum mit dieser Irritation allein.
Schnitt: Jackson auf der Fackel der Freiheitsstatue, ein kitschiges Bild, noch immer schwelgen wir im fröhlichen up beat eines poppigen Rocksongs. Jackson singt: Don’t tell me you agree with me, when I saw you kicking dirt in my eye …
Die Heuchelei, die man ihm für dieses Video angesichts seiner Hautfarbe vorwerfen mochte, wurde an dieser Stelle präventiv und umstandslos an den politisch korrekten Zuschauer zurückgegeben; von political correctness ausgenommen war nämlich fast immer die „Ethnie Michael Jackson“.

How do you do that?!

Nach diesem kurzen Verweis auf die Denkbewegung des Zuschauers folgt die bereits besprochene Morphing-Sequenz, die im Gesamtkontext des Shortfilms auf technischer Ebene brillant war, damals jedoch offenbar vor allem kulturpessimistische Reaktionen hervorgerufen hat.
Die Sequenz erscheint mittlerweile nicht mehr aufgrund der Technik des Morphings interessant, als wegen der Art und Weise, wie sie zu Ende geführt wird: Die prinzipiell unendliche Morphingbewegung wird auch textlich/musikalisch durch das sich wiederholende it’s black, it’s white, it’s tough for you, to get by markiert.
Entscheidend ist: Am Ende zoomt die Kamera in eine isometrische Totale, wir sehen das Studio mit alle seinen hin und herlaufenden Helfern, Scheinwerfern, Requisiten und seinem Chaos von schräg oben.
Die Morphing-Sequenz wird also zuerst als Inszenierung von Wunschdenken vorgeführt, ähnlich wie schon in Beat it und BAD die Schlichtung der Gangstreitigkeiten als Bühnenutopie oder Fanatasie vorgeführt wurden. Nun folgt ein Scherz, der nur dem aufmerksamen Betrachter auffallen wird: John Landis, der Regisseur, ruft „Cut!“ und geht zu dem Mädchen, das in der Morphing-Sequenz zuletzt zu sehen gewesen war. Es ist ein schwarzes Mädchen, und es ist wohl nicht zu viel gesagt, wenn man sie als Stellvertreterin für Michael Jackson ansieht. Landis sagt zu ihr: „That was perfect! How do you do that?“
In der quasi-dokumentarischen Sicht der Totale erfahren wir also, das Mädchen / Michael Jackson kann in Wirklichkeit morphen und seine Gestalt nach Belieben verändern. Wir haben es hier mir einem doppelbödigen Kommentar auf Jacksons Selbstinszenierung zu tun: Er zeigt uns, dass er prinzipiell jedermann / jedefrau sein kann, dass es sich dabei um eine Inszenierung handelt, dass diese Inszenierung jedoch Wirklichkeit ist.

Die Panther-Sequenz: das Ghetto zerschlagen

Was wir als nächstes Sehen, ist die Bestätigung dafür. Die Kamera zoomt wieder in die Szene und bekommt einen schwarzen Panther in den Fokus. Die nun folgende sogenannten Panther-Sequenz rief besonders in den USA Empörung hervor. Es wurde gesagt, Jackson rufe darin zu Gewalt auf, sie sei unangemessen und für Kinder nicht geeignet. Jackson musste sich öffentlich entschuldigen und die Sequenz wurde von MTV zunächst aus dem Programm genommen und erst dann wieder gezeigt, als sie auch für den „einfachen“ Zuschauer durch ein paar „Interpretationshilfen“ in Form von Hakenkreuzen und rassistischen Tags verständlich gemacht worden war.

Die Panter-Sequenz beginnt, wenn der Black Panther aus dem Filmstudio – in welchem man gerade einen fröhlich-optimistischen up beat Rocksong für MTV dreht – (an einer George Washington-Statue vorbei) eine Stahltreppe hinabgeht.
Dort, jenseits der Studio-Welt, in der eine kitschig-verträumte Version der Wirklichkeit erschaffen wird, wartet eine andere Wirklichkeit: Das Ghetto, eine trostlose, nasse Straße, blinde Fensterscheiben, alte Autos. Das Ghetto ist verlassen, vielleicht sind die Einwohner gerade alle bei den Rassenunruhen.
Aus dem Panther wächst Michael Jackson hervor, ein wildes Tier, das von einem Scheinwerfer eingefangen und gebannt wird. Was nun beginnt, sind nicht, wie Gotto schreibt, „zuckende Tanzbewegungen“, sondern eine viereinhalb Minuten lange, ausdrucksstarke Modern Dance Sequenz. Jackson mischt Stepptanz mit Body Percussion und Musique Concrete. Dass die Sequenz von Kritikern meist als „ohne Musik“ beschrieben wird, dürfte seinen Grund darin haben, dass Jackson sich hier in ein Genre begibt, das man eher von avantgardistischen Bühnenperformances erwartet, nicht aber von einem Popstar. Was jedoch geschieht, ist Performance von massiver Ausdruckskraft.

Ruft Jackson zu Gewalt auf, wenn er unter Schreien und masturbatorischen Bewegungen ein Auto zusammenhaut und Fensterscheiben einwirft?
Was die Nachrichten während dieser Zeit vor allem zeigten, waren Weiße, die auf Schwarze, und Schwarze, die auf Weiße einschlugen. Worauf Jackson einschlägt, ist das Ghetto als solches, das hier als Ursache der fortdauernden Rassentrennung bestimmt wird: Solange es das Ghetto gibt, wird sich nichts wesentliches ändern. Was schwarze Ghettos damals zugleich kontrollierbar und unberechenbar machte, war die Verbreitung von Alkoholismus unter den Bewohnern. Jacksons „Gewaltorgie“ beginnt damit, dass er eine Schnapsflasche in die Gosse tritt. Danach folgen Auto und Fensterscheiben, und am Ende bringt er mit halb raubtierhaften, halb menschlichen Schreien eine Leuchtreklame des „Royal Arms Hotels“ zu Fall. Die Gewalt gilt nicht Menschen, sondern einem System und seinen Symbolen.
Die sexuelle Komponente dieser Sequenz ist dabei auch, aber nicht nur der Erfolg versprechenden Mischung aus Sex and Crime geschuldet. Die Erotik hat hier eine verzweifelte Qualität, ist mehr eine Energie der emotionalen Intensität, als wirklich Lust. Einen ironischen Schlag bekommt sie bei einer Aufnahme von Jacksons Hosenstall: Erst heizt er dem Zuschauer ein, lockt mit einen Versprechen – seit Jahren fragt die Öffentlichkeit nach Jacksons Sexualität. Ist er straight, homo oder gar asexuell? Hat er überhaupt einen Penis, oder hat er sich den, wie seine Nase, bereits entfernen lassen? Auch diese Frage lässt Jacksons, wie alles andere auch, gekonnt in der Schwebe, denn bevor es „etwas“ zu sehen gäbe, zieht er den offenen Hosenstall wieder zu.

Epilog

Nachdem Jackson sich im Ghetto verausgabt hat, verwandelt er sich zurück in einen Panther, verlässt die Szene. Schnitt ins weiße Mittelschicht-Vorstadthaus der Simpsons. Bart, neben „Kevin allein zu haus“ das andere populäre anarchistische Kind dieser Zeit, schaut Michael Jackson im Fernsehen. Homer fühlt sich gestört – „Bart, turn off that noise“ – und schaltet den Fernseher aus, womit auch das Video endet.

Kreativität versus Gewalt

Der gesamte Kurzfilm, inszeniert als Inszenierung, ist sich seiner Mittel nicht nur im Sinne des Effekts sondern auch ihrer Bedeutung bewusst. Hier kulminiert ein Diskurs zum Thema Kreativität und Gewalt, der im Beat-it-Video begann und in Martin Scorseses 18minütiger Version des BAD-Videos weitergeführt wurde.
Will man hingegen das Motiv des Gestaltwandels weiter verfolgen, das in den Tanzbegegnungen und den Morphingsequenzen des Videos thematisiert werden, bieten sich zwei andere Kurzfilme zur näheren Betrachtung an.

Thriller (1984)

Jackson wechselt hier insgesamt sieben Mal die Gestalt: Vom „netten Jungen“ zum Werwolf (im Film) zurück zum netten Jungen (im Kino) in einen Zombie (in der Fantasie des Mädchens), wieder in einen netten Jungen und schließlich in ein katzenhaftes Etwas. An diesem Punkt sind die Grenzen zwischen Realität und Inszenierung verwischt, es bleibt unaufgelöst, ob die Bedrohung real ist oder nicht. Was wir jedoch sehen: der „nette Junge“ hat unheimlichen Spaß dabei, das „Monster“ zu spielen, sein letzter Blick sagt: Ich weiß, ich stare dich an, und wir beide wissen, dass dir das gefällt.

Die Selbstdarstellung als schwarzes, Mädchenfleischhungriges Monster auf dem Höhepunkt von Jacksons Karriere ist natürlich kein Zufall, sondern reflektiert einen Skandal: Jackson galt als das erste schwarz Sexsymbol, das sich auch weiße Mädchen – zur Empörung ihrer Eltern – an die Wand hängten. Jackson war nicht nur erfolgreich, er war sexy, und damit eine potentielle Bedrohung. Ihm war die amerikanische Geschichte, in der Schwarze gelyncht wurden, wenn sie mit weißen Mädchen ausgingen und weiße Mädchen als „white Trash“ galten, wenn sie mit Schwarzen ausgingen, deutlich bewusst. Wenigstens zwei Beziehungen zu weißen Frauen (Brooke Shields und Lisa Marie Presley) scheiterten unter anderem an diesem Problem.

Ghosts (1997)

Dieser knapp vierzig Minuten lange Film war bereits ein Reflex auf die ersten Kindesmissbrauchsvorwürfe, die wenige Wochen nach Oprah Winfreys Interview laut wurden.
Hier rechnet Jackson öffentlich mit dem rechtskonservativen Staatsanwalt Tom Sneddon ab, der ihn von 1993 bis an sein Lebensende verfolgen sollte.
Ghosts wurde von MTV mit der Begründung abgelehnt, dass der Film zu hohe Standards setze, die andere Künstler nicht bedienen könnten. Tatsächlich sieht der Film technisch auch heute noch vollkommen frisch aus.
Dies war jedoch nicht der eigentliche Grund, sondern es ging bei der Ablehnung der Ausstrahlung um Brisanz des Films, denn Jackson greift hier, wie schon in dem Song D.S. (HIStory), den Staatsanwalt offen an.
Jackson spielt hier sich selbst in der Rolle eines Zeremonienmeisters (der Maestro), der eine Show inszeniert, um die aufgebrachten Stadtbewohner für sich einzunehmen. Er spielt auch den fetten, weißen Bürgermeister, der ihn vertreiben und das Publikum auf seine Seite ziehen will. Zudem spielt er einen Ghoul, ein Gerippe und eine (zum Schein) besiegte, tragische Gestalt, deren Gesicht zu Staub zerfällt. Jackson bedient sich in diesem Film ausgiebig und durchaus selbstironisch aus dem Bildreservoir der grotesken Körperkonzeption und liefert eine mit Gesang und Tanz höchst unterhaltsam unterfütterte Studie darüber ab, wie durch Kunst tieferes Verständnis und mehr Toleranz entstehen können. (Ghosts ist einen eigenen Artikel wert, den ich möglicherweise als nächstes angehen werde.)

Einer der Jungen Männer, die in der zitierten Jungle World Reporatge zu Wort kommen, erklärt, dass sie weder Gangsta-Gehabe, Baggie Pants noch Goldkettchen brauchen, ihnen ginge es allein um die Musik, den Tanz. Es war Jacksons Shorfilm zu Smooth Criminal (1987), mit dem für einen von ihnen alles begann. Smooth Criminal ist ein Videoclip, der im Kontext mit anderen Clips zu dem (dramaturgisch unkonventionellen) Spielfilm Moonwalker zu sehen ist.

Der „sanfte Verbrecher“ ist eine von Jacksons immer wiederkehrenden Inkarnationen, die aus dessen Faszination für den Gangsterfilm der 1940er Jahre herrührt. Das Video enthält den Lean, eine Bewegung, bei der Jackson und die Ensemble-Tänzer sich in einem 45-Gradwinkel nach vorne neigen. Buster Keaton hatte das 1927 in seinem Film College bereits vorgemacht, wenn auch nicht mit der selben Nonchalance wie Jackson.

Dieser Lean sagt, ich bin Michael Jackson, ich kann sogar die Schwerkraft außer Kraft setzen! – und eröffnet damit einen unbegrenzten Möglichkeitsraum. Sich diesen Raum auch für sich selbst immer wieder zu erschließen, ist das große Angebot, das Jackson uns mit seiner Arbeit macht. Indem er sich einfachen Deutungen entzieht, indem er das Spannungsfeld zwischen unvereinbar erscheinenden Eigenschaften hält, bleibt er eine der faszinierendsten Figuren der Kultur des zwanzigsten Jahrhunderts.

Ghosts wurde kaum wahrgenommen – 1997 hatte Jackson bereits kaum noch Fürsprecher, viele Künstler verweigerten die Solidarität, um eigene Imageschäden zu vermeiden, passten sich dem Meinungsmainstream an und blickten mit Verachtung auf Jackson. Im Jahr 2001 nahm er sein letztes Album Invincible auf, das jedoch gemessen an seinem gewohntem Erfolg ein Flop wurde. Das Schicksal nahm seinen Lauf.

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Karla Schmidt am 18. Februar 2013 in Blog

Es ist ein Frühchen!

Vier Wochen eher als erwartet halte ich “Die Rote Halle” in den Armen, frisch gedruckt und blutig rot. Ich weiß, so etwas sagt man nicht, aber ich finde sie hübscher als mein Treppenkind … liegt etwas schwerer und griffiger in der Hand, die Schrift sitzt besser auf der Seite und trotz Glanzfolie hat das Cover mehr räumliche Tiefe.

Der Klappentext macht diesmal auch einiges her:

TANZ BIS AUFS BLUT

Ein verlassener Flughafen, eine blutige Ballettinszenierung. Die brutal zugerichtete Leiche einer Tänzerin. Ein Junge, verschluckt von endlosen unterirdischen Gängen. Und die Botschaft an seine Mutter: Sie kann ihren Sohn nur retten, wenn sie selbst zur Täterin wird.

Psychospannung für alle, die Sebastian Fitzek zu harmlos finden.
Westdeutscher Rundfunk

Hier habe ich den Anfang als Leseprobe reingestellt. :-)

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Karla Schmidt am 02. Dezember 2011 in Blog, Rote Halle

Kurzgeschichte des Monats beim Fantasy Guide

Wenn man erstmal anfängt mit bloggen, gibts natürlich immer gleich wieder viele Anlässe. Heute der Folgende:

Der Fantasy Guide hat eine etwas ältere und für meine Verhältnisse ausgesprochen romantische Story mit dem Titel “Plateau” online gestellt – unter der Rubrik “Kurzgeschichte des Monats”.
Diese Geschichte war ein Reflex auf eine zweiwöchige Saharareise – mit Berbern und Kamelen und frischem Brot aus der Asche des abendlichen Feuers und was sonst alles noch dazu gehört (Sonnenallergie und mit Kamelpisse gewürztes Trinkwasser zum Beispiel … ).
Mit das Beeindruckendste an dieser Reise war ein unglaublich plastischer, dicht an dich mit Sternen bepackter Himmel von Horizont zu Horizont, der mir das Gefühl gab, mitten im Weltall zu stehen.
Natürlich befinden wir uns immer mitten im Weltall. Aber dieser Sternenhimmel, der hatte etwas von den romantischen Vorstellungen, die ich mir von einer Weltraumreise mache. Erhabenheit, die Winzigkeit des Individuums im Angesicht des Kosmos, hoch melancholische Space Oddity …
Daraus hat sich dann diese Geschichte ergeben, ein wenig SF, ein wenig Reisebericht, ein wenig kultivierte Einsamkeit und Vergeblichkeit … :-)

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Karla Schmidt am 28. März 2011 in Blog, Kurzgeschichten, Übers Schreiben

Melodie & Rhythmus beim Schreiben / Ich erkenne mich nicht wieder / nur anderthalb Romane

Melodie und Rhythmus – schöne stilistische Tugenden, und auch für die Dramaturgie nicht ganz unwichtig. Diesmal meint die Überschrift aber eine Zeitschrift, und die handelt natürlich nicht vom Schreiben, sondern von Musik.

Schwerpunktthema im Monat März: Musik und Literatur

Da sind ein paar interessante Artikel drin, unter anderem auch ein Interview mit Rocko Schamoni, der eine Weisheit zum besten gibt, an der ich mich in letzter Zeit gerne festhalte, wenn einmal wieder Fragen nach der “Markttauglichkeit” meiner Texte laut werden: Man schreibt nur das gut, was man wirklich schreiben will.
Ich behaute zudem: Nur mit dem, was man wirklich gut macht, kann man auch erfolgreich sein.
Oder eben auf hohem Niveau scheitern. Was es bei mir wird, muss sich erst noch zeigen. :-)

Außerdem gibt es in der Zeitschrift einen Artikel von mir über den Einfluss von Musik auf das Schreiben – am Beispiel von, na wem wohl, David Bowie. Hier ist sie:

Und ein zweites Zeitschriftencover hab ich diesen Monat noch zu bieten: Die Erlösungsdeadline aus dem Hinterland ist noch einmal erschienen. Hier eine kleine Leseprobe (wobei ich sämtliche Häkchen und Ösen, die eigentlich noch an die Buchstaben gehören, wegen Tastaturbeschränkungen weglassen muss):

Termin wybawienia

Janus gapil sie na ekran wielkosci co namniej osmiu metrow kwadratowych. Najczesciej nadawano programy kuchene: od rana do wieczora rzesza polprawdziwych VIP’ow ujawniala tajniki przyrzadzania wszelakich inslala caprese, köfte czy rozyczek kalafiorow. …

Und so weiter. Über zwölf eng gesetzte Zeitschriftenseiten. Die Geschichte wurde für das größte polnische Fantasikmagazin Nowa Fantastyka übersetzt und mit Illustrationen versehen. Das ist schon ein abgedrehtes Gefühl, einen eigenen Text in einer solchen Gestalt zu sehen. Das Schriftbild erscheint mir tatsächlich so sperrig und anders, dass ich beim besten Willen nicht zurückübersetzen kann, ohne in die deutsche Fassung zu gucken. Das einzige, was ich von den beiden obigen Sätzen verstehe, ist “insalata caprese”, und das ist kein Polnisch. :-D

Die beste Neuigkeit ist momentan allerdings diese:
Ich habe dieses Jahr nichts weiter zu tun, als anderthalb Romane fertig zu schreiben. JAAAA!

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Karla Schmidt am 23. März 2011 in Blog, Hinterland, Übers Schreiben

Gelese und Geschreibe

+ HINTERLANDNACHRICHTEN +

1. Es gibt mal wieder eine Hinterlandlesung! Am 12.12.2010 um 19 Uhr in der Roten Beete.
Das ist in Berlin Schöneberg, und es lesen:

bibo Lobnau, Jakob Schmidt, Jasper Nicolaisen und Siegfried Langer.

O kommet doch all.

2. Es gibt beim SF-Fan eine neue, sehr ausführliche und sehr positive Rezension zum “Hinterland”. Es wird viel zu den einzelnen Stories gesagt, so dass man sich fast schon einen kompletten Inhaltsüberblick verschaffen kann. Über die Hinterland-Homepage kommt man hin.

+ NEUES AUS DEM FOTOLABOR +

1. “Die Seelenfotografin” ist in der Kategorie “Historischer Roman” für den Lovely-Books Leserpreis nominiert und in die Shortlist gekommen! Was einem kleinen Wunder gleichkommt, denn das Buch ist ja erst vor vier Wochen erschienen.
Da ich nun schon einmal in der Endrunde bin, regt sich natürlich ein winziges bisschen der Wunsch, auch noch aufs Treppchen hüpfen zu dürfen. Und dazu könntet Ihr etwas tun. Nämlich: Für die “Seelenfotografin” voten! Das geht noch bis zum 10.12.2010.

2. Auch sonst kommt die “Seelenfotografin” gut weg, zum Beispiel in diesem Büchertipp-Podcast auf WDR4. Die Rezensentin vergleicht das Buch sogar mit Süßkinds “Parfüm”. Und sagt nicht, ich gebe an. Euch würde das auch gefallen!

3. Podcast und die aktuelle Seelenfotografin-Leserunde bei literature.de haben mich auf den Gedanken gebracht, dass ich Leseproben aus Büchern ja eigentlich auch als Podcast hier auf die Seite stellen könnte. Im Moment geht es nicht, weil ich wie eine verschleimte Kröte klinge und dauernd huste. Aber ich finde, es ist eine gute Idee fürs neue Jahr.

+ DIE ASTROECKE +

Und was mag die Zukunft bringen? Obwohl ich zu den genauen Konstellationen noch nichts sagen kann und will, eines steht fest: Im nächsten Jahr werde ich mir keinen Brotjob und keine Honoraraufträge suchen müssen. Ich werde einzig und allein Bücher schreiben.

Wenn das kein Schreiberhimmel ist. :-)

+ AUS BENACHBARTEN UNIVERSEN +

Das Autorenkombinat Schlotzen & Kloben hat ein erstes Buch hervorgebracht, welches “Raumanzüge & Räuberpistolen” heißt. Es sieht von außen sehr hübsch und auch recht schmal aus, innen beweist es jedoch wahre Größe:

Neulich habe ich abends spät damit in der Küche gesessen und musste beim Lesen so laut lachen, dass die Nachbarn mit dem Besenstiel an die Decke klopften.

Kaufen könnte Ihr das Buch per Email-Bestellung beim Verlag. Besonders zusammen mit dem “Hinterland” eine gute Weihnachtsgeschenkkombination, oder?

Liebe Grüße, Karla

Lauter neue Bücher …

… und ich sollte das doch wirklich mal verbloggen, nicht wahr?

Aber ich mache es ganz, ganz kurz, denn gestern Abend war ich mit drei MitautorInnen das “Hinterland” feiern … und bin erst um halbsieben zu Hause gewesen. :-)

Das “Hinterland – 20 Erzählungen inspiriert von der Musik David Bowies” wurde am Samstag auf der BuCon in Frankfurt vorgestellt. Gelesen haben Dirk Röse, Barbare Streun und Nadine Boos. Und da es bereits Berichte von Leuten gibt, die schneller waren als ich – sind hier die Links:

BuCon-Bericht auf fantasyguide.de

… und auf davidbowie.de (unter “Schreibende Bowieaner”, falls das jetzt mit dem Link nicht hinhauen sollte, auf Unterseite 54 …)

Okay, und dann, fast zeitgleich, halte ich plötzlich auch noch das erste, druckfrische Exemplar der “Seelenfotografin” in der Hand und erfahre von neugierigen Lesern, dass Rowohlt eine Leseprobe ins Netz gestellt hat, die von den Online-Buchhandlungen fleißig übernommen wurde. Supergut, das!

Also, wer gerne schonmal reinlesen mag – BITTESCHÖÖÖÖÖÖÖN!

:-)

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Karla Schmidt am 13. Oktober 2010 in Blog, Die Seelenfotografin, Hinterland