Archiv der Kategorie ‘Übers Schreiben‘

Neobooks bei Droemer Knaur … ich weiß auch nicht …

Eine neue Autorenplattform im Internet befindet sich zur Zeit in der Betatestphase. Sie nennt sich neobooks.

Autoren können dort Manuskripte einstellen, die werden durch ein Publikum vorsortiert und die Top 10 werden weitergeleitet auf den Schreibtisch des Verlagslektors. Das ist aber nicht etwa ein zusätzliches Goodie, sondern in Zukunft soll neobooks neben der Einreichung durch einen Agenten die einzige Eintrittskarte zum Lektorenschreibtisch sein.

Das Konzept wirft viele, viele Fragen auf. Aber ich will die Diskussion an dieser Stelle nicht lostreten, denn es wird bereits an zwei anderen Stellen kompetent darüber informiert und diskutiert:

1. Auf dem Blog von Nicole Rensmann. Ihr solltet ungedingt auch die Kommentare lesen, denn dort äußert sich auch jemand von Droemer Knaur.

2. Im Montségur-Autorenforum.

Schaut da mal rein. Es lohnt sich wirklich, falls Ihr überlegt, Euch auf diese Weise zu empfehlen!

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Karla Schmidt am 14. August 2010 in Autoren, Blog, Übers Schreiben

Man sollte auf Aufstehn stehn. Oder Ausschlafen.

… und genau das habe ich vor in den nächsten drei Wochen. Zwar brauch ich kein Meer mehr, wenn ich’n See seh, aber ein bisschen mehr Wasser ist auch immer schön. Das heißt, ich werde damit beschäftigt sein, an verschiedenen Seen abzuhängen, und ein bisschen auch am Meer, wenn es klappt.

Heißt auch: Ich werde in den nächsten drei Wochen nichts posten.

Darum jetzt noch schnell eine kleine Bestandsaufnahme, denn es hat sich ja auch einiges getan in den letzten Wochen.

Erstmal das “Hinterland” – drei der Stories haben wir mittlerweile in Übersetzung. Und obwohl Bowies Management sich bisher nicht gemeldet hat und das insgesamt auch eher unwahrscheinlich bleibt … wir haben mittlerweile eine Facebook-Seite für das “Hinterland”, und dort werden wir die Anfänge aller übersetzten Stories posten.

Was das soll?

Wir wollen einen englischsprachigen Verlag. Wir wollen Bowie. Und wir wollen den direkten Austausch mit Lesern. Und den bekommen wir auf Facebook wahrscheinlich. Wäre toll! :-)

Was noch?

Ach ja – der nächste Thriller geht in eine etwas heißere Phase, die Kurzfassung ist fertig (etwa 10 % der späteren Buchs), letzte Recherchen werde ich im Laufe des Juli erledigen, und dann geht es los. Wenn ich nicht noch einen Brotjob hätte, dann könnte das Buch bis Jahresende fertig sein. So wird es aber eher März oder April werden.

Uuuuuund: Man kann die “Seelenfotografin” mittlerweile bei amazon vorbestellen. An das Pseudonym muss ich mich noch sehr gewöhnen … aber das wird schon noch. So sieht sie übrigens aus:

Mehr fällt mir erstmal nicht ein. Außer:

SEHT EUCH DAS HINTERLAND AUF FACEBOOK AN!

:-)

Was ist Literatur? Umfrage bei Crazy Culture Clap

Aus einer Diskussion zu der Frage, wie sinnvoll eingentlich Genreschubladen sind, hat sich auf dem Crazy Cultur Clap Blog eine weitere Frage ergeben:

Was ist eigentlich Literatur, und wird das von Lesern eigentlich so wahrgenommen, wie vom Literaturbetrieb definiert?
Ist nur Literatur, was im festen Einband und mit Lesebändchen daherkommt? Oder darf man Genrebücher auch als Literatur bezeichnen?
Wann ist ein Buch banal, wann hallt es nach? Und warum?

Nicole hat auf die Schnelle eine Umfragemaske gebaut. Schaut doch mal rein, vielleicht findet Ihr Euch in den Fragen ja wieder?

LG, Karla

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Karla Schmidt am 22. Juni 2010 in Blog, Von Freunden, Übers Schreiben

Interview mit Stefan vom Bücher(p)lausch

Fürchterlich, wie langsam ich im Moment bin … es ist schon seit ein paar Tagen online, aber ich komme erst jetzt dazu, das hier Einzustellen … Stefan Baumgartner vom Bücher(p)lausch hat am 5.5. ein knapp halbstündiges Interview mit mir veröffentlicht.

Es geht natürlich um “Das Kind auf der Treppe”, aber es geht auch viel um David Bowie, das “Hinterland” kommt zur Sprache, und wir reden auch über Recherche und wie ich beim Schreiben arbeite.

Stefan hat mir netterweise den Einbettungscode gegeben, so dass ich das Interview auch hier einbinden kann. Macht Eure Lautsprecher an und klickt auf den Playbutton, dann sollte es gehen.

Ich wünsche Euch viel Spaß damit. :-)

Wie man sich einen Roman vorstellt

Stellt Euch vor, Ihr sitzt bei Eurem Literaturagenten und brütet mit ihm über dem Treatment für Euren nächsten Psychothriller. Plötzlich schlägt er vor, man könnte ja auch die Figuren mal spielen. Er holt einen Sack voll Playmobilfiguren.

Meine erste Reaktion: Ähm, ja. … Bin ich Lord Helmchen, der seine geheimsten Fantasien beim Spiel mit seinen Actionfiguren auslebt? Und muss ich das unbedingt unter Zeugen tun? Ist das ein Witz, oder was?

Nein, es ist ganz ernst gemeint. Und außerdem ist es professionelles Playmobil, rollenneutral wie die Urfiguren von 1974. So sieht das aus:

professionelles Playmobil

Mein Agent schüttet also den Sack mit den Figuren vor mir aus und fordert mich auf, welche auszusuchen, die stellvertretend für meine Romanfiguren stehen sollen. Er schreibt die Namen der Romanfiguren auf kleine Klebezettel und bappt sie den jeweiligen Playmomännchen und -frauchen auf den Bauch. Dann deutet er auf eine Filzunterlage, etwa in DinA3-Größe, und fordert mich auf: Stellen Sie die Figuren so auf, wie sie im Roman zueinander stehen. Am besten fangen wir am Anfang an.

Gut, da sitze ich also, vor mir ein Haufen bunter Plastikfiguren, und mit denen soll ich jetzt professionell spielen.

Aber wie spielt man professionell und überhaupt, was wird man aus diesem Spiel für Schlüsse über meinen psychischen Zustand ziehen können? Bestimmt kriege ich hinterher eine F60.4 oder so bescheinigt. Schließlich hat mein Agent mir zu Beginn unseres Treffens verraten, dass er ausgebildeter Psychotherapeut ist.

Genau daher kommt nämlich auch diese Methode, nämlich aus der systemischen Therapie, und sie ist von Bernd Hellingers Methode der „Familienaufstellung“ abgeleitet.
Dabei werden Familienkonflikte dadurch bearbeitet, dass man ausgehend von einer Frage, die man lösen möchte, Stellvertreter für die Familienmitglieder im Raum aufstellt und aufeinander bezieht. Ganz intuitiv wählt man den Abstand der Stellvertreter zueinander, entscheidet über ihre Körperhaltung und die Blickrichtung.
Aus diesen Anordnungen entstehen bei den Stellvertretern Empfindungen, die denen der realen Familienmitglieder ähnlich sein sollen. Wenn sie nun darüber reden, wie sie sich in ihrer jeweiligen Position fühlen, so wird es für die Person, die mit ihrer Frage im Hinterkopf die Aufstellung vornimmt, möglich, die Konflikte zu verstehen, die in seiner Familie bestehen – und sie auf der Stellvertreterebene zu lösen. Das alles natürlich immer unter der Anleitung eines erfahrenen Therapeuten …
Das mutet ein wenig esoterisch an, wenn man davon ausgeht, dass die Stellvertreter irgendeinen paranormalen Draht zu den echten Familienmitgliedern hätten und in der Aufstellung quasi als Medium fungieren.

Aber ich denke, so darf man die Sache nicht verstehen – denn sonst würde sie ja nicht mit Playmomännchen ebenso gut funktionieren. Playmomännchen fühlen sich nicht, und die Rote fängt hoffentlich auch nicht plötzlich an, darüber zu sprechen, dass sie sich weniger geliebt als die Blaue fühlt.
Wenn ich einen Konflikt in meiner Familie (oder sonst wo) mit Stellvertretern nachstellen kann – und zwar intuitiv – dann muss ich ja davon ausgehen, dass irgendetwas in mir (huhu, hier spricht dein Unbewusstes …) die Konfliktdynamik bereits kennt – und dass ich mich demnach auch in jede beteiligte Person hineinfühlen kann.
Und wenn ich das kann, dann kann ich auch, indem ich die Positionen der Figuren zueinander verändere, die Konflikte auf Stellvertreterebene dynamisieren und lösen. Und das wiederum gibt mir vielleicht einen Hinweis darauf, wie ich einen Konflikt im Reallife lösen könnte …

Soweit zur Theorie der Familienaufstellung. Einziger Haken an der Sache: Es geht bei der Aufstellungsarbeit darum, Konflikte zu lösen. Im Roman – zumal im Thriller – geht’s dagegen darum, Konflikte möglichst auszureizen und auf die Spitze zu treiben.

Tja. Aber man kann das Prinzip natürlich auch umdrehen: Statt Konflikte auf der Stellvertreterebene zu entschärfen – z.B. in dem man Figuren aufeinander zugehen oder sich einander zuwenden lässt – kann man Konflikte auf dieselbe Art auch auf die Spitze treiben. Indem man sich anschaut, wo Konflikte nur latent vorhanden sind, kann man dafür sorgen, dass sie zum Ausbruch kommen, wo sie schwach sind, kann man sie verstärken.

Dazu reicht es natürlich nicht, die Figürchen über die Filzmatte zu schieben und zu sagen: Der Sohn zieht sich jetzt von der Mutter zurück, aber sie kann ihn nicht gehen lassen. Man muss für diese Konflikte dann auch konkrete Bilder finden: Wie äußert sich die Kontrollsucht der Mutter? Wie äußert sich das Zurückziehen des Sohnes, was konkret tut er?

Ich also: Figuren aussuchen. Die Rote hier ist die Böse, und die Gute ist – na, was schon – weiß. Das Objekt der Begierde grün (wie die Hoffnung), ebenso wie der Ermittler (hier ist eher ein sattes Polizeigrün zu assoziieren), der Sohn ist weiß wie die Mutter, und der drogenabhängige Regisseur ist, in Ermangelung psychedelischer Regenbogenfarben, schlicht blau. Das Mordoper, na ja, rot, was sonst. Und dann geht es los. Kapitel für Kapitel.

Ist „Zurückziehen“ für den Sohn überhaupt stark genug? Kommt da vielleicht noch jemand ins Spiel, der sich zwischen Mutter und Sohn stellt?
Okay, nun steht da eine böse, rote Playmobilfigur zwischen Mutter und Sohn. Was genau tut sie?
Sie nimmt den Sohn aus dem Spiel. Ich nehme den Sohn von der Filzmatte.
Sie nimmt ihn aus dem Spiel heißt: Sie tut ihm etwas an? Ja, auf jeden Fall! Aber was? …
Okay, und was ist mit dem Toten aus der Backstory? Der liegt da hinten so rum und eigentlich braucht den niemand. Er ist keine Gefahr und keiner vermisst ihn.
Aber wenn nun jemand etwas darüber wüsste, wie er ums Leben gekommen ist? Wer könnte das sein?
Der da, das Objekt der Begierde weiß Bescheid! Und auf einmal hat er ein fettes Druckmittel gegen den Blauen in der Hand …

Ich gebe zu, ich habe zuerst gedacht, das bringt nichts – aber nachdem ich die ersten Kapitel – unter kompetenter therapeutischer Anleitung :D – durchgearbeitet hatte, fing ich an, meine Figuren zu verstehen. Ich habe verstanden, wer hier welche Ängste aussteht, welche Hoffnungen hegt, welchen Dreck am Stecken hat und wie jede Figur alle anderen Figuren beeinflusst. Jetzt habe ich meine Figuren soweit, dass sie mir zeigen, was Menschen einander antun können, wenn sie in die Enge getrieben werden.

Diese Sitzung war extrem anstrengend – und extrem effektiv. Ich habe das Gefühl, an einem Nachmittag die Arbeit von mehreren Wochen erledigt zu haben.

Jetzt überlege ich, ob ich mir selbst so einen Sack mit professionellen Urplaymos zulegen soll? Vierzig Stück gibt es für 46 Euro.

Hmm … wenn ich das Honorar für diesen Thriller bekomme, werde ich mich wohl mit ein wenig professionellem Spielzeug versorgen. :-)

Liebe Grüße, Karla

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Karla Schmidt am 18. Februar 2010 in Blog, Übers Schreiben

Meine (n)erdige Patchworfamilie hat Zuwachs bekommen.

Der Zuwachs kam mit der Post, Absender @stricktier aka Denkding aka Pia Ziefle. Gern denke ich an die Zeiten zurück, als … aber das gehört hier nicht her. Ich zeig Euch lieber, was Pia mir geschickt hat!

Wir haben Zuwachs bekommen!

Jaaa, zwei ganze Orks! Den süßen Kleinen mit dem großen roten Schwert – und seine Oma, die ihn auf der Reise begleitet hat. Sicher machte sie sich Sorgen, als er ganz allein in die große weite Welt hinaus ziehen wollte. Zu einem Vater, den er nur vom Hörensagen kannte und zu einem Urgroßvater, der im ganzen Land als baumalter Schwerenöter bekannt ist.

Aber Wollorkoma ist Mossman und Wurzelhammer ebenso willkommen, wie die kleine grüne Filzlaus!  Ich bin sicher, sie alle werden sich bestens verstehen. Wenn sie im Regal sitzen und mir beim Schreiben zusehen, kann ich manchmal hören, was sie denken. Ich klaue meine Ideen ganz gern auf diese Weise …

Pia, der Tausch gilt, okay? Pro Ork ein Buch. Ende des Jahres wirst Du dann ja schon eine ganz gute Auswahl bei mir finden. ;)

(Mist, hoffentlich haben sie das nicht gelesen. Ich will nicht, dass sie denken, sie seien in die Fremde verkauft worden. :( )

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Karla Schmidt am 15. Januar 2010 in Blog, Übers Schreiben

10.01.2010: Lesen und Feiern

So, das war nicht schlecht, oder? Die gestrige „Hinterlandlesung“ am historischen Ort vor fachkundigem Publikum auf der Bowie-Party im „Neuen Ufer“ meine ich.

Irgendwie gehören Lesungen ja auch zum „Handwerk des Schreibens“. Ich habe lange u.a. darum nicht geschrieben, weil ich höllische Angst davor hatte, dass ich das dann öffentlich vorlesen muss. Das blanke Grauen. Schon in der Schule bin ich immer in Schnappatmung verfallen, sobald ich vorlesen sollte. Besonders in Französisch.
Dass ich diese Angst zumindest in Teilen überwunden habe, habe ich meinen geschichtenhungrigen nochnichtlesekundigen Kindern zu verdanken. Fünf Jahre Kindergeschichten vorlesen sind offenbar ein gutes Training.

Dennoch hat mich nach der Lesung das Lob einer bühnenerprobten Freundin fast am meisten gefreut: Offensichtlich ist es nicht schrecklich, mir beim Vorlesen zuzuhören. Ja, es gab Lacher, und ja, manche Leute haben nach mehr verlangt, als ich eigentlich zu lesen aufhören wollte. Also fühle ich mich heute wie ein aufgeblähter Puter, der unbedingt zeigen muss, was für einen besonders schönen, roten Halsschwabbel er hat.
Oder anders gesagt: Ich fange an zu verstehen, warum manche Leute sich GERNE auf der Bühne präsentieren. Es macht Spaß. (Zumindest vor wohlwollendem Publikum. Ich denke gerade daran, wie es wäre, dasselbe in einer halbtoten Kleinstadt zu machen, in der man völlig unbekannt ist … *schluck*.)

Gelesen und ihren Spaß dabei gehabt haben übrigens:

1. Siegfried Langer: Berlin Nachklang (Let´s Dance)
2. Jakob Schmidt: Die sehr betrübte Strahlenkanone (Running Gun Blues)
3. Karla Schmidt: Erlösungsdeadline (Five Years / Joe the Lion)
4. Jasper Nicolaisen: Kleines Mädchen aus China (China Girl)
5. Barbara Streun: Es ist nichts passiert – on idle (Time / Saviour Machine / Sunday)

Das ganze war als Quiz gestaltet. Vor der Lesung haben wir einen üppigen Gabentisch aufgebaut – Bowie-Bücher, -Kalender, -Fotos, „Jump“ (das PC-Spiel!!) – alles gestiftet von einem Fan, der sich (man kann es kaum glauben) von seiner Sammlung getrennt hat. Dann wurde gelesen und das Publikum sollte den Songtitel dazwischen rufen, auf dem die jeweilige Geschichte basiert. Und wer richtig geraten hatte, durfte sich etwas von unserem Gabentisch aussuchen.

Was die Veranstaltung dann abgerundet hat, war ein Zufall:

Vor der Lesung kam ein Mann in den Laden, fragte, was hier stattfinden würde. Ging dann wieder. Ich hatte nicht wirklich mitbekommen, was er eigentlich wollte, (war gerade mit nervösem Magenflattern wegen der bevorstehenden Lesung beschäftigt …).

Etwas später kam er wieder und brachte seine Frau mit. Und seine Frau brachte ihr Buch mit.

Nachdem unser Lesequiz abgeschlossen war, habe ich also das Publikum gefragt, ob es noch mehr hören will. Einhelliges „Ja“, was ja schon mal freudig stimmt.

Also hat Bibo Loebnau ein Kapitel aus ihrem Roman Zoe – sind denn alle netten Männer schwul? gelesen, und zwar den Abschnitt, in dem die Heldin nach einem Konzert, es muss 1983 gewesen sein, dem stark erblondeten und pudelisierten Bowie in der westberliner Kultdisco „Dschungel“ begegnet. Das Daseinsgefühl der 80er Jahre, für das ich eine Mischung aus Nostalgie und Beklemmung empfinde, wurde heftig lebendig – auf witzige Weise. Das Buch werde ich nun natürlich ganz lesen müssen …

Aber gut, genau dafür sind Lesungen da, und natürlich wünschen wir uns auch, dass ein paar Zuhörer, die gestern dabei waren, unser Buch kaufen und weiter empfehlen werden. Im Fachjargon nennt man das wohl „Werbeträger generieren“. Hat Bibo mit mir schon mal ganz gut hinbekommen, oder? ;-)

Und hier ist Bibos eigener Kommentar – für die Kommentarfunktion war er zu lang. :-)

Liebe Karla, liebe Bowie-Fans,

was für eine große Freude! Eine Spontan-Lesung vor echtem Fachpublikum – das hatte ich auch noch nicht erlebt. Wow!

Als mein Mann mich gestern aus dem “Neuen Ufer” anrief, hatte ich zuerst keine Lust, mich durch das Schneetreiben aufzumachen – er hatte nur gesagt: “Die spielen hier Bowie.” Tja, das konnte ich auch zu Hause hören… Doch dann rief er noch mal an – nachdem er sich bei Karla nach dem tieferen Grund erkundigt hatte – und erzählte mir von einer Bowie-Geburtstagsparty, und dass da auch noch eine Lesung anstand. Das überzeugte mich schließlich (ich liebe Live-Lesungen!) und ich stapfte los – nicht ohne noch schnell mein Buch einzustecken… Man weiß ja nie… ;-)

Und dann traf ich auf Karla, erzählte ihr, dass ich seit meinem 15 Lebensjahr glühender Bowie-Fan bin, dass es in “Zoe – Sind denn alle netten Männer schwul?!” gleich in mehreren Passagen um David Bowie ginge und ob ich da nicht ein kleines Stückchen draus lesen dürfe. Ohne mich oder mein Buch zu kennen, sagte sie spontan zu. Danke, Karla!

Doch zuvor durfte ich erstmal den faszinierenden SciFi-Kurzgeschichten der KollegInnen lauschen – Hut ab! Und dann hab ich auch noch einen Song richtig erraten und wurde mit einer Bowie-Bio beglückt – toll!

Bisher hatte ich das (wahre!) Kapitel “Der Vizemeister” noch nie live gelesen. Aber es war wie gemacht für ein verständiges Fan-Publikum, das die Verwirrung und das Herzklopfen bei Zoes Begegnung mit David Bowie, 1983 im “Dschungel” nach dem “Serious Moonlight”-Konzert in der Berliner Waldbühne, nachvollziehen konnte. Es hat mir wahninnig viel Spaß gemacht, und ich schwebe – genau wie Karla – seit gestern Abend auch ein paar Zentimeter über dem Erdboden… Toll!

Meine nächste Lesung findet übrigens schon am nächsten Sonntag (17.1.) um 20 Uhr in der “Roten Beete”, Gleditschstr. 71 in Schöneberg statt. Dort gibt es dann u.a. noch mehr in Sachen Bowie zu hören… Versprochen! Ich lese abwechselnd mit meinem Freund und Autoren-Kollegen IKO, der wunderbare, witzige Kurzgeschichten schreibt – und so ganz nebenbei auch Bowie-Fan ist… Der Eintritt ist frei und ein paar Bücher und Hörbücher gibt’s dort dann auch zu kaufen. Ich würde mich auf ein Wiedersehen mit dem/der einen oder anderen sehr freuen!

Seit gestern bin ich mir sicher: Es gibt keine Zufälle im Leben! Das sollte alles so sein. Es war toll, Euch kennen zu lernen und wer weiß, was sich noch daraus ergibt… Liebe Grüße, bibo

04.01.2010 – Leseprobe “Das Kind auf der Treppe” / “Lebenslichter” vorbestellen!

Das Jahr beginnt nett. Kaum vier Tage alt, und schon passieren zwei schöne Dinge:

1. Meine Lektorin bei Piper hat zugestimmt, dass ich hier eine Leseprobe aus “Das Kind auf der Treppe” veröffentlichen darf. Ihr findet Sie rechts in der Rubrik “Informationen”.

Ich freue mich, dass ich schon vorab einen Zipfel von dem Buch zeigen darf  – und gleichzeitig macht es mich ganz nervös. Bisher ist “Das Kind auf der Treppe” eine Angelegenheit zwischen mir, meinem Agenten und meiner Lektorin gewesen. Sicher, es gab auch Testleser. Aber da war das Buch noch in Arbeit.

Jetzt ist es “fertig”. Ich kann nichts mehr daran ändern. Und es jetzt auf Leser loszulassen, ist spannend, aufregend, ein wenig beängstigend. Aber hey! Da wollte ich immer hin!

Darum meine Bitte an Euch: Wenn Ihr die Leseprobe lest, dann hinterlasst bitte einen Kommentar für mich und die anderen Leser. Eure Kommentare sind für mich mindestens so wertvoll wie jede Rezension in einer Zeitschrift.

2. Wisst Ihr noch? Meine SF-Story “Lebenslichter” wird in der nächsten Wurdack-Anthologie erscheinen, die ab sofort vorbestellbar ist.

Hier das Cover und Beschreibung des Verlags:

Die Audienz
Kurzgeschichten
herausgegeben von Armin Rößler und Heidrun Jänchen
Science-Fiction Reihe Band 16

Haben Sie schon darüber nachgedacht, wie Sie die Zeit nach Ihrem Tod verbringen wollen?
Oder ob Sie den nächsten Gesundheits-Check-up ohne eine saftige Beitragserhöhung überstehen werden?
15 Science-Fiction-Autoren erzählen vom Leben in den Städten der Zukunft, in virtuellen Welten und auf fremden Planeten, die verblüffende Ökosysteme hervorgebracht haben.
Mit brandneuen Geschichten der beliebtesten deutschsprachigen Autoren: von Karla Schmidt (ausgezeichnet mit dem Deutschen Science Fiction Preis 2009), Heidrun Jänchen (ausgezeichnet mit dem Kurd Laßwitz Preis 2009), Frank W. Haubold (ausgezeichnet mit dem Deutschen Science Fiction Preis 2008), Karsten Kruschel, Bernhard Schneider, Regina Schleheck, Christian Weis, Nadine Boos, Christian Günther, Armin Rößler, Arnold H. Bucher, Andreas Flögel, Kai Riedemann, Jakob Schmidt und Bruna Phlox.

29.12.2009 “Die Seelenfotografin” – ein langer Weg bis zu Rowohlt

… es gab da ja noch einen Romanerstling, nicht wahr?

Ja, der Titel war Isabels Schöpfung, ein historisch-fantastischer Roman, der Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin spielt. Er soll im November 2010 bei Rowohlt erscheinen. Nun ist bereits klar, dass er einen anderen Titel bekommen wird – Die Seelenfotografin – und dass der Roman unter Pseudonym erscheinen soll – Charlotte Freise – , damit er sich nicht mit den Thrillern ins Gehege kommt.

Und darum gehts …

Jezira Kowka, Wanderfotograf, lebt zusammen mit seinem Meister Bing von erotischen Bildern, die sie unter der Hand verkaufen. Jezira ekelt sich vor den Aufnahmen, die er von Meister Bings Huren machen muss.
Eines Tages erscheint ein Dr. Greipel auf dem Rummel und sucht einen Fotografen. Jezira ergreift die Gelegenheit, klaut Bing Ausrüstung und Geld und beginnt ein neues Leben als Krankenhausfotograf.
In Dr. Greipels Klinik trifft Jezira auf die fünfzehnjährige Isabel, die wegen einer hysterischen Lähmung behandelt wird.
Tatsächlich ist sie mit einem genialen Verstand begabt. Das Mädchen macht Jezira Angst, dringt in ihn, rührt an seine tiefsten Wunden. Jezira ist hin und her gerissen zwischen Isabel und seinem Willen, ein respaktabler Bürger zu werden, und jeder Versuch sich richtig zu verhalten, scheint sich unausweichlich in sein Gegenteil zu verkehren. …

Als ich diesen Blog begonnen habe, hatte ich ja versprochen, dass ich auch über den Prozess des Schreibens und Veröffentlichens berichten werden. Also dann …

Plötzlich ein Roman – und das Ende einer langen Durststrecke

“Isabels Schöpfung” ist mein persönlicher Durchbruch gewesen – allerdings nicht kommerziell, wie auch, das Buch erscheint ja erst Ende 2010. Aber ich habe mit diesem Buch einen Jahre lang andauernden inneren Widerstand überwunden. Ich habe es endlich geschafft, einen ganzen Roman zu schreiben!

Tatsächlich hat “Isabels Schöpfung” Ende 2005 als Kurzgeschichte für ein (inzwischen versandetes) Anthologieprojekt begonnen. Die Story sollte der Auftakt für sieben miteinander verschränkte Stories werden. Doch nach achtzig Seiten hatte ich noch nicht einmal ein Vierteil des Plots umgesetzt. In dem Moment habe ich begriffen, dass ich dabei war, einen Roman zu schreiben – und mich hat die Angst gepackt.

Ich hatte nämlich bereits ein paar Romane begonnen – und nie bin ich mit einem davon fertig geworden. Sie liegen immer noch als mehr oder weniger peinliche Fragmente auf meinem Rechner herum.

Was, wenn ich es wieder nicht schaffe?

Mir ging es in diesem Moment vielleicht ein wenig wie einem Süchtigen: Ich wusste, dieses mal muss ich es schaffen, oder ich schaffe es nie. Es gab nur noch diese beiden Optionen: Es durchziehen – oder es für immer aufgeben.

Dass ich mit “Isabels Schöpfung” endlich diesen persönlichen “Durchbruch” geschafft habe, verdanke ich folgenden Faktoren:

1. hatte ich mir diese “Jetztodernie”-Situation geschaffen.

2. war ich gerade dabei, mein zweites Kind abzustillen und hatte an den Tagen und Abenden wieder größere zusammenhängende Zeitbrocken für mich allein.

3. habe ich diese freien Zeitbrocken radikal für den Roman genutzt – obwohl mir die Zeit zum Geldverdienen fehlte. Ich habe im Jahr 2005 und 2006 deswegen einen kleinen Schuldenberg angesammelt. Aber ich wusste: Ich muss das jetzt schaffen!

4. hatte ich zum ersten mal einen Plot ausgearbeitet, bevor ich mit dem Schreiben begonnen habe. Mit “Isabels Schöpfung” habe ich begriffen, dass ein Roman einen Plan braucht, wenn ich mich nicht innerhalb von 70 oder 80 Seiten in eine Sackgasse schreiben will.

Ein richtiger Agent!

Nach einem guten Jahr war ich mit “Isabels Schöpfung” fertig – und wusste dann nicht, was ich damit anstellen sollte. Durch einen Zufall ist das Buch bei einem Agenten gelandet – der ihn über Monate nicht gelesen hat.

Irgendwann war ich ziemlich wütend deswegen und habe mit dem Gefühl, dass ich ohnehin nichts zu verlieren habe, drei weitere Agenten angerufen und den Roman am Telefon kurz und mit trotzigem Mut vorgestellt – oder “gepitcht”, wie man im Fachjargon sagt.

Alle drei Agenten haben daraufhin das Manuskript angefordert. Soweit schon mal Erfolg und Genugtuung.

Von einer Agentur habe ich noch am selben Tag eine Absage erhalten. Mein Mut sank ein wenig.
Von der zweiten Agentur habe ich zwei Tage später eine begeisterte Zusage erhalten. Ich war obenauf!
Und die dritte Agentur hat mir ein dreiviertel Jahr später einen Vertrag angeboten. Auch schön. Ich durfte meine erste dankende Absage formulieren.

Einen Agenten zu haben, der mich unterstützte und hinter “Isabels Schöpfung” stand, war auf jeden Fall ein großer Schritt nach vorne, auch wenn es noch etwas dauern sollte, bis mit “Isabels Schöpfung” etwas passierte.

Das Buch ist nicht vermittelbar

Nach einem guten Jahr und einem halben Roman später haben sowohl der Agent als auch ich aufgegeben, das Buch unterzubringen.
Sämtliche Verlage waren der Meinung, dass man das Buch nicht vermarkten könne, weil es in keine Genreschublade passt.
Es war kein historischer Roman, keine Fantastik, kein Krimi, keine Lovestory, nicht eindeutig Literatur und nicht eindeutig Unterhaltung – sondern irgendwas dazwischen.
Ich bin irgendwann dazu übergegangen, das Buch eine “novel noir” zu nennen, aber dieses Genre schien merkwürdiger Weise niemanden zu interessieren.

“Isabels Schöpfung” wanderte 2008 als “nicht vermittelbar” in die Schublade.

Mein Agent tröstete mich: Wenn ich erstmal mit Roman Nr.2, an dem ich inzwischen arbeitete und der ein marktgerechter Psychothriller werden sollte, draußen und erfolgreich sei, dann würde sich auch jemand für “Isabels Schöpfung” interessieren. Außerdem landen die ersten ein bis drei “Gesellenstücke” ohnehin meist in der Schublade, bevor das erste “Meisterstück” einen Verlag findet.

… aber zum Glück gibt es auch andere Wege zum Verlag.

Ich weiß nicht warum, aber aus irgendeinem irrationalen Impuls heraus beteiligte ich mich mit “Isabels Schöpfung” an dem Rowohlt-Wettbewerb “Der historische Roman 2009″.
Das Buch gewann nicht. Klar, es ist ja auch kein “richtiger” historischer Roman – sondern irgendwas dazwischen.
Ich war nicht einmal enttäuscht.

Tod und Geburt

Als ich dann im August 2009 mit meinem Onkel in Bückeburg auf den Parkplatz eines Ruheforstes fuhr, in dem zwei Wochen zuvor die Urne meiner Tante unter einer alten, üppigen Buche beigesetzt worden war, klingelte das Handy.
Es hätte keinen unpassenderen Moment geben können, aber als ich auf das Display sah, bin ich trotzdem ran gegangen. Die Hoffnung stirbt schließlich immer zuletzt.

Ich wusste, es muss irgendetwas aufregendes passiert sein, wenn mein Agent mich mitten im Urlaub anruft:
“Isabels Schöpfung” war durch den Wettbewerb gerauscht. Aber eine Lektorin hatte sich in das Buch verliebt und es ihrem Programmleiter ans Herz gelegt. Mein Agent hat dann alles für mich verhandelt.

Und so sind wir fast vier Jahre nach Fertigstellung des Manuskriptes doch noch zu einem Verlagsangebot gekommen. :-)

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Karla Schmidt am 29. Dezember 2009 in Blog, Die Seelenfotografin, Übers Schreiben

Vorschau für “Das Kind auf der Treppe” ist da / Woher kommt Inspiration?

Rechts findet Ihr unter der Rubrik “Informationen” eine Leseprobe.
Aber vielleicht möchtet Ihr vorher den Klappentext lesen, zu dem auch ein paar sehr geschätze Autorenkollegen etwas beigetragen haben :-) :

Eine Frau auf der Flucht in ein Grauen, schlimmer als der Tod.

Die junge Musikerin Leni Draugur flieht aus Reykjavik vor ihrem gewalttätigen Mann. Sie weiß nicht, ob sie ihn in Notwehr getötet hat, oder ob er ihr auf den Fersen ist – und sie weiß nicht, welcher Gedanke der schlimmere ist … Als Leni endlich spät nachts bei ihrer Halbschwester Zicky in Berlin ankommt, sitzt dort im Treppenhaus ein merkwürdig blasser, kleiner Junge allein auf den Stufen. Leni nimmt sich des geheimnisvollen Jungen an, versucht ihn zu beschützen, denn in Berlin hat das „Schulwegmonster“ bereits mehrere Kinder auf bestialische Art getötet. Gleichzeitig weiß sie, dass sie vor ihrem Mann erst dann sicher sein kann, wenn er tot ist. Leni gerät in den Strudel der Ereignisse, und bald weiß sie selbst nicht mehr, ist sie Täterin oder Opfer?

Ein packender Psychothriller, in dem nichts so ist, wie es scheint!

„Mein Thriller des Jahres. Das Ende war etwas ganz besonderes und hat mich berührt.“ Charlotte Lyne („Das Haus Gottes“)

„Karla Schmidt ist eine Meisterin des Plots. Unter der Maske einer schlichten Sprache versteht sie es, das pure Grauen aufbrechen zu lassen, skizziert durch geniale Formulierungen.“ Dirk C. Fleck („Das Tahiti-Projekt“)

„Sie werden nach dem Lesen das Licht eingeschaltet lassen!“ Wulf Dorn („Trigger“)

Und der Text für die Buchinnenseite:

Ein Mann liegt gefesselt auf einem Feldbett. Man hat ihm erst die Zunge, dann Scheibe für Scheibe das linke Bein abgeschnitten. „…Der Schmerz in seinem Beinstumpf wurde wieder stärker, ein Pulsen und Reißen knapp unter der Leiste, wo die sauber versorgte Wunde war, und der weit grausamere Phantomschmerz in dem Teil seines Beines, den es nicht mehr gab. Jede Scheibe, die davon abgeschnitten worden war, konnte er spüren, jeder Schnitt ein Kreis aus singendem Schmerz. Jedes Nervenende sandte nach wie vor Alarmsignale an sein Hirn, das nicht akzeptieren wollte, was geschehen war. Fort, fort, für immer, er wusste es genau. Doch irgendein Teil seines Selbst wollte der kompetenten Stimme hinter dem grünen Mundschutz glauben. „Keine Sorge, es wächst irgendwann nach. Vertrauen Sie mir“, sagte sie …“

Eine Sache, die in keinem Klappentext und keiner Vorschau erwähnt werden wird, die mir aber wichtig ist:

“Das Kind auf der Treppe” ist – wie Wulf Dorns “Trigger” – von Bowie inspiriert (… ich verspreche, der nächste Thriller kommt ohne Bowie aus :) ).

Genauer gesagt: Ein Großteil der Handlung spielt in der Berliner Hauptstraße 155, wo Bowie 1978/1979 gewohnt hat – zuerst zusammen mit Iggy Pop, der jedoch bald ins Hinterhaus verbannt wurde, weil er immer den Kühlschrank leerfraß.
Bowie hat in der Berliner Zeit nicht nur an den Alben “Low” und “Heroes” gearbeitet, deren Stimmung in “Das Kind auf der Treppe” einfließt, sondern er hat sich auch viel im Brücke-Museum herumgetrieben und sich selbst am expressionistischen Malstil versucht. Dabei ist u.a. dieses Bild entstanden:

Child in Berlin
Child in Berlin

Das Bild zeigt einen Jungen im Treppenhaus der Hauptstraße 155, der sich nicht traut, zum Zahnarzt im ersten Stock hinauf zu gehen.
Der Zahnarzt spielt in “Das Kind auf der Treppe” keine Rolle, wohl aber der kleine Junge, der sich im dunklen Treppenhaus herumdrückt … was mich zu einer Frage bringt, die Schreiber wie Nichtschreiber immer wieder stellen:

Woher kommt eigentlich die Inspiration zu einem Buch oder einer Geschichte?

Wer den Blog bis hierher verfolgt hat, hat sicher gemerkt, dass meine Schreiberei eigentlich immer von etwas konkretem inspiriert ist: Ein Musikstück, ein Bild, etwas, das ich gelesen oder gesehen habe:

- Bei “Isabels Schöpfung” war es eine Fotografie aus dem 19. Jahrhundert und ein ebenso alter Artikel über die Annahme eines geheimnisvollen “Fluidums”, das die eigentliche Lebenskraft des Menschen darstellt, die alles in Gang gesetzt hat.
- Bei “Das Kind auf der Treppe” war es das Gemälde “Child in Berlin” und eine Party im “Neuen Ufer”.
- Beim nächsten Thriller ist es das Märchen “Die Roten Schuhe” und Kate Bushs Video “The Red Shoes”, die die Dinge zum Laufen gebracht haben.
- Und beim nächsten historischen Roman ist es ein Gemälde von Odilon Redon, das in mir arbeitet und gärt.
- Außerdem spielt Bowie im Hintergrund ebenfalls immer eine Rolle – er ist so etwas wie mein “imaginärer Leser”.

Ich denke, es sind diese beiden Dinge, die ich brauche, um zu schreiben:

1. einen konkreten Auslöser, der die Bildermaschine in meinem Kopf zum laufen bringt.

2. einen ganz bestimmten Leser, für den ich schreibe. Selbst wenn dieser meine Bücher wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen wird.
Darauf kommt es jedoch auch gar nicht an – im Grunde könnte ich mir auch irgend jemand anderen als imaginären Leser erwählen. Wichtig ist wahrscheinlich nur, dass man für jemanden schreibt, den man schätzt, dessen Urteil einem wichtig wäre. Und letztlich muss es jeder Leser sein, dessen Urteil man schätzt und für den man schreibt.
Darum halte ich es für wichtig, die Latte hoch zu hängen und sich innerlich an jemanden zu wenden, den man bewundert. Das bewahrt einen davor, auf Leser herabzusehen und sie für unwichtig zu halten. Ohne Leser hat ein Roman kaum einen Sinn.

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Karla Schmidt am 29. Dezember 2009 in Blog, Kind auf der Treppe, Übers Schreiben