Monatsarchiv für Dezember 2009

29.12.2009 “Die Seelenfotografin” – ein langer Weg bis zu Rowohlt

… es gab da ja noch einen Romanerstling, nicht wahr?

Ja, der Titel war Isabels Schöpfung, ein historisch-fantastischer Roman, der Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin spielt. Er soll im November 2010 bei Rowohlt erscheinen. Nun ist bereits klar, dass er einen anderen Titel bekommen wird – Die Seelenfotografin – und dass der Roman unter Pseudonym erscheinen soll – Charlotte Freise – , damit er sich nicht mit den Thrillern ins Gehege kommt.

Und darum gehts …

Jezira Kowka, Wanderfotograf, lebt zusammen mit seinem Meister Bing von erotischen Bildern, die sie unter der Hand verkaufen. Jezira ekelt sich vor den Aufnahmen, die er von Meister Bings Huren machen muss.
Eines Tages erscheint ein Dr. Greipel auf dem Rummel und sucht einen Fotografen. Jezira ergreift die Gelegenheit, klaut Bing Ausrüstung und Geld und beginnt ein neues Leben als Krankenhausfotograf.
In Dr. Greipels Klinik trifft Jezira auf die fünfzehnjährige Isabel, die wegen einer hysterischen Lähmung behandelt wird.
Tatsächlich ist sie mit einem genialen Verstand begabt. Das Mädchen macht Jezira Angst, dringt in ihn, rührt an seine tiefsten Wunden. Jezira ist hin und her gerissen zwischen Isabel und seinem Willen, ein respaktabler Bürger zu werden, und jeder Versuch sich richtig zu verhalten, scheint sich unausweichlich in sein Gegenteil zu verkehren. …

Als ich diesen Blog begonnen habe, hatte ich ja versprochen, dass ich auch über den Prozess des Schreibens und Veröffentlichens berichten werden. Also dann …

Plötzlich ein Roman – und das Ende einer langen Durststrecke

“Isabels Schöpfung” ist mein persönlicher Durchbruch gewesen – allerdings nicht kommerziell, wie auch, das Buch erscheint ja erst Ende 2010. Aber ich habe mit diesem Buch einen Jahre lang andauernden inneren Widerstand überwunden. Ich habe es endlich geschafft, einen ganzen Roman zu schreiben!

Tatsächlich hat “Isabels Schöpfung” Ende 2005 als Kurzgeschichte für ein (inzwischen versandetes) Anthologieprojekt begonnen. Die Story sollte der Auftakt für sieben miteinander verschränkte Stories werden. Doch nach achtzig Seiten hatte ich noch nicht einmal ein Vierteil des Plots umgesetzt. In dem Moment habe ich begriffen, dass ich dabei war, einen Roman zu schreiben – und mich hat die Angst gepackt.

Ich hatte nämlich bereits ein paar Romane begonnen – und nie bin ich mit einem davon fertig geworden. Sie liegen immer noch als mehr oder weniger peinliche Fragmente auf meinem Rechner herum.

Was, wenn ich es wieder nicht schaffe?

Mir ging es in diesem Moment vielleicht ein wenig wie einem Süchtigen: Ich wusste, dieses mal muss ich es schaffen, oder ich schaffe es nie. Es gab nur noch diese beiden Optionen: Es durchziehen – oder es für immer aufgeben.

Dass ich mit “Isabels Schöpfung” endlich diesen persönlichen “Durchbruch” geschafft habe, verdanke ich folgenden Faktoren:

1. hatte ich mir diese “Jetztodernie”-Situation geschaffen.

2. war ich gerade dabei, mein zweites Kind abzustillen und hatte an den Tagen und Abenden wieder größere zusammenhängende Zeitbrocken für mich allein.

3. habe ich diese freien Zeitbrocken radikal für den Roman genutzt – obwohl mir die Zeit zum Geldverdienen fehlte. Ich habe im Jahr 2005 und 2006 deswegen einen kleinen Schuldenberg angesammelt. Aber ich wusste: Ich muss das jetzt schaffen!

4. hatte ich zum ersten mal einen Plot ausgearbeitet, bevor ich mit dem Schreiben begonnen habe. Mit “Isabels Schöpfung” habe ich begriffen, dass ein Roman einen Plan braucht, wenn ich mich nicht innerhalb von 70 oder 80 Seiten in eine Sackgasse schreiben will.

Ein richtiger Agent!

Nach einem guten Jahr war ich mit “Isabels Schöpfung” fertig – und wusste dann nicht, was ich damit anstellen sollte. Durch einen Zufall ist das Buch bei einem Agenten gelandet – der ihn über Monate nicht gelesen hat.

Irgendwann war ich ziemlich wütend deswegen und habe mit dem Gefühl, dass ich ohnehin nichts zu verlieren habe, drei weitere Agenten angerufen und den Roman am Telefon kurz und mit trotzigem Mut vorgestellt – oder “gepitcht”, wie man im Fachjargon sagt.

Alle drei Agenten haben daraufhin das Manuskript angefordert. Soweit schon mal Erfolg und Genugtuung.

Von einer Agentur habe ich noch am selben Tag eine Absage erhalten. Mein Mut sank ein wenig.
Von der zweiten Agentur habe ich zwei Tage später eine begeisterte Zusage erhalten. Ich war obenauf!
Und die dritte Agentur hat mir ein dreiviertel Jahr später einen Vertrag angeboten. Auch schön. Ich durfte meine erste dankende Absage formulieren.

Einen Agenten zu haben, der mich unterstützte und hinter “Isabels Schöpfung” stand, war auf jeden Fall ein großer Schritt nach vorne, auch wenn es noch etwas dauern sollte, bis mit “Isabels Schöpfung” etwas passierte.

Das Buch ist nicht vermittelbar

Nach einem guten Jahr und einem halben Roman später haben sowohl der Agent als auch ich aufgegeben, das Buch unterzubringen.
Sämtliche Verlage waren der Meinung, dass man das Buch nicht vermarkten könne, weil es in keine Genreschublade passt.
Es war kein historischer Roman, keine Fantastik, kein Krimi, keine Lovestory, nicht eindeutig Literatur und nicht eindeutig Unterhaltung – sondern irgendwas dazwischen.
Ich bin irgendwann dazu übergegangen, das Buch eine “novel noir” zu nennen, aber dieses Genre schien merkwürdiger Weise niemanden zu interessieren.

“Isabels Schöpfung” wanderte 2008 als “nicht vermittelbar” in die Schublade.

Mein Agent tröstete mich: Wenn ich erstmal mit Roman Nr.2, an dem ich inzwischen arbeitete und der ein marktgerechter Psychothriller werden sollte, draußen und erfolgreich sei, dann würde sich auch jemand für “Isabels Schöpfung” interessieren. Außerdem landen die ersten ein bis drei “Gesellenstücke” ohnehin meist in der Schublade, bevor das erste “Meisterstück” einen Verlag findet.

… aber zum Glück gibt es auch andere Wege zum Verlag.

Ich weiß nicht warum, aber aus irgendeinem irrationalen Impuls heraus beteiligte ich mich mit “Isabels Schöpfung” an dem Rowohlt-Wettbewerb “Der historische Roman 2009″.
Das Buch gewann nicht. Klar, es ist ja auch kein “richtiger” historischer Roman – sondern irgendwas dazwischen.
Ich war nicht einmal enttäuscht.

Tod und Geburt

Als ich dann im August 2009 mit meinem Onkel in Bückeburg auf den Parkplatz eines Ruheforstes fuhr, in dem zwei Wochen zuvor die Urne meiner Tante unter einer alten, üppigen Buche beigesetzt worden war, klingelte das Handy.
Es hätte keinen unpassenderen Moment geben können, aber als ich auf das Display sah, bin ich trotzdem ran gegangen. Die Hoffnung stirbt schließlich immer zuletzt.

Ich wusste, es muss irgendetwas aufregendes passiert sein, wenn mein Agent mich mitten im Urlaub anruft:
“Isabels Schöpfung” war durch den Wettbewerb gerauscht. Aber eine Lektorin hatte sich in das Buch verliebt und es ihrem Programmleiter ans Herz gelegt. Mein Agent hat dann alles für mich verhandelt.

Und so sind wir fast vier Jahre nach Fertigstellung des Manuskriptes doch noch zu einem Verlagsangebot gekommen. :-)

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Karla Schmidt am 29. Dezember 2009 in Blog, Die Seelenfotografin, Übers Schreiben

Vorschau für “Das Kind auf der Treppe” ist da / Woher kommt Inspiration?

Rechts findet Ihr unter der Rubrik “Informationen” eine Leseprobe.
Aber vielleicht möchtet Ihr vorher den Klappentext lesen, zu dem auch ein paar sehr geschätze Autorenkollegen etwas beigetragen haben :-) :

Eine Frau auf der Flucht in ein Grauen, schlimmer als der Tod.

Die junge Musikerin Leni Draugur flieht aus Reykjavik vor ihrem gewalttätigen Mann. Sie weiß nicht, ob sie ihn in Notwehr getötet hat, oder ob er ihr auf den Fersen ist – und sie weiß nicht, welcher Gedanke der schlimmere ist … Als Leni endlich spät nachts bei ihrer Halbschwester Zicky in Berlin ankommt, sitzt dort im Treppenhaus ein merkwürdig blasser, kleiner Junge allein auf den Stufen. Leni nimmt sich des geheimnisvollen Jungen an, versucht ihn zu beschützen, denn in Berlin hat das „Schulwegmonster“ bereits mehrere Kinder auf bestialische Art getötet. Gleichzeitig weiß sie, dass sie vor ihrem Mann erst dann sicher sein kann, wenn er tot ist. Leni gerät in den Strudel der Ereignisse, und bald weiß sie selbst nicht mehr, ist sie Täterin oder Opfer?

Ein packender Psychothriller, in dem nichts so ist, wie es scheint!

„Mein Thriller des Jahres. Das Ende war etwas ganz besonderes und hat mich berührt.“ Charlotte Lyne („Das Haus Gottes“)

„Karla Schmidt ist eine Meisterin des Plots. Unter der Maske einer schlichten Sprache versteht sie es, das pure Grauen aufbrechen zu lassen, skizziert durch geniale Formulierungen.“ Dirk C. Fleck („Das Tahiti-Projekt“)

„Sie werden nach dem Lesen das Licht eingeschaltet lassen!“ Wulf Dorn („Trigger“)

Und der Text für die Buchinnenseite:

Ein Mann liegt gefesselt auf einem Feldbett. Man hat ihm erst die Zunge, dann Scheibe für Scheibe das linke Bein abgeschnitten. „…Der Schmerz in seinem Beinstumpf wurde wieder stärker, ein Pulsen und Reißen knapp unter der Leiste, wo die sauber versorgte Wunde war, und der weit grausamere Phantomschmerz in dem Teil seines Beines, den es nicht mehr gab. Jede Scheibe, die davon abgeschnitten worden war, konnte er spüren, jeder Schnitt ein Kreis aus singendem Schmerz. Jedes Nervenende sandte nach wie vor Alarmsignale an sein Hirn, das nicht akzeptieren wollte, was geschehen war. Fort, fort, für immer, er wusste es genau. Doch irgendein Teil seines Selbst wollte der kompetenten Stimme hinter dem grünen Mundschutz glauben. „Keine Sorge, es wächst irgendwann nach. Vertrauen Sie mir“, sagte sie …“

Eine Sache, die in keinem Klappentext und keiner Vorschau erwähnt werden wird, die mir aber wichtig ist:

“Das Kind auf der Treppe” ist – wie Wulf Dorns “Trigger” – von Bowie inspiriert (… ich verspreche, der nächste Thriller kommt ohne Bowie aus :) ).

Genauer gesagt: Ein Großteil der Handlung spielt in der Berliner Hauptstraße 155, wo Bowie 1978/1979 gewohnt hat – zuerst zusammen mit Iggy Pop, der jedoch bald ins Hinterhaus verbannt wurde, weil er immer den Kühlschrank leerfraß.
Bowie hat in der Berliner Zeit nicht nur an den Alben “Low” und “Heroes” gearbeitet, deren Stimmung in “Das Kind auf der Treppe” einfließt, sondern er hat sich auch viel im Brücke-Museum herumgetrieben und sich selbst am expressionistischen Malstil versucht. Dabei ist u.a. dieses Bild entstanden:

Child in Berlin
Child in Berlin

Das Bild zeigt einen Jungen im Treppenhaus der Hauptstraße 155, der sich nicht traut, zum Zahnarzt im ersten Stock hinauf zu gehen.
Der Zahnarzt spielt in “Das Kind auf der Treppe” keine Rolle, wohl aber der kleine Junge, der sich im dunklen Treppenhaus herumdrückt … was mich zu einer Frage bringt, die Schreiber wie Nichtschreiber immer wieder stellen:

Woher kommt eigentlich die Inspiration zu einem Buch oder einer Geschichte?

Wer den Blog bis hierher verfolgt hat, hat sicher gemerkt, dass meine Schreiberei eigentlich immer von etwas konkretem inspiriert ist: Ein Musikstück, ein Bild, etwas, das ich gelesen oder gesehen habe:

- Bei “Isabels Schöpfung” war es eine Fotografie aus dem 19. Jahrhundert und ein ebenso alter Artikel über die Annahme eines geheimnisvollen “Fluidums”, das die eigentliche Lebenskraft des Menschen darstellt, die alles in Gang gesetzt hat.
- Bei “Das Kind auf der Treppe” war es das Gemälde “Child in Berlin” und eine Party im “Neuen Ufer”.
- Beim nächsten Thriller ist es das Märchen “Die Roten Schuhe” und Kate Bushs Video “The Red Shoes”, die die Dinge zum Laufen gebracht haben.
- Und beim nächsten historischen Roman ist es ein Gemälde von Odilon Redon, das in mir arbeitet und gärt.
- Außerdem spielt Bowie im Hintergrund ebenfalls immer eine Rolle – er ist so etwas wie mein “imaginärer Leser”.

Ich denke, es sind diese beiden Dinge, die ich brauche, um zu schreiben:

1. einen konkreten Auslöser, der die Bildermaschine in meinem Kopf zum laufen bringt.

2. einen ganz bestimmten Leser, für den ich schreibe. Selbst wenn dieser meine Bücher wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen wird.
Darauf kommt es jedoch auch gar nicht an – im Grunde könnte ich mir auch irgend jemand anderen als imaginären Leser erwählen. Wichtig ist wahrscheinlich nur, dass man für jemanden schreibt, den man schätzt, dessen Urteil einem wichtig wäre. Und letztlich muss es jeder Leser sein, dessen Urteil man schätzt und für den man schreibt.
Darum halte ich es für wichtig, die Latte hoch zu hängen und sich innerlich an jemanden zu wenden, den man bewundert. Das bewahrt einen davor, auf Leser herabzusehen und sie für unwichtig zu halten. Ohne Leser hat ein Roman kaum einen Sinn.

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Karla Schmidt am 29. Dezember 2009 in Blog, Kind auf der Treppe, Übers Schreiben

29.11.2009 Robert Holdstock tot :(

Robert Holdstock ist nur 61 Jahre alt geworden. Zusammen mit Ursula K. LeGuin gilt er als würdiger Tolkien-Nachfolger, ohne dass er diesen je imitiert oder gegen ihn angeschrieben hätte. Seine SF ist mythisch, seine Fantasy liest sich beinahe dokumentarisch nüchtern. Die Landschaften, die er hervorruft, sind dicht und bedrückend. Für mich einer der Großen beider Genres.
Den Durchbruch als Schriftsteller erlebte Holdstock 1984 mit seinem Roman Mythenwald (Mythago Wood). Mythenwald ist der erste Teil der Ryhope-Wood-Reihe. Der letzte Roman der Reihe ist Avilion, der erst in diesem Jahr auf Deutsch erschienen ist.

R.I.P.

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Karla Schmidt am 29. Dezember 2009 in Autoren, Blog

19.11.2009 Martin Büsser begleitet uns ins Hinterland

Die Bowie-Anthologie spricht sich herum, obwohl wir noch nicht einmal einen Verlag haben, und es gibt immer wieder Anfragen von Leuten, die gerne mitmachen würden.
Ich bin das noch nicht gewohnt und es macht mir gar keinen Spaß, gute Stories abzulehnen, weil sie in kein fantastisches Genre gehören oder einfach, weil wir schon mehr als genug Material beisammen haben.

Einer Versuchung konnte ich nun aber doch nicht widerstehen! Vor drei Monaten haben wir Martin Büsser gefragt, ob er gerne etwas zu unserer Anthologie beitragen möchte. Und heute habe ich eine Zusage erhalten.

Martin Büsser wird – wie Diederichsen, Dath oder Dax – zu den sog. Poplinken gerechnet (obwohl sich sein Nachname nicht mit “D” schreibt). Er hat viel zu Musikthemen veröffentlicht, und noch diesen Monat erscheint seine erste fiktionale Arbeit im Verbrecherverlag.
Bei Der Junge von nebenan handelt es sich um eine Graphic Novel – und mir fällt noch ein Bowie-Fan ein, der mit dieser Textgattung berühmt geworden ist: Neil Gaiman.

Ich freue mich schon sehr auf Martins Story. Ach ja, und dies ist sein Song:

Die wahrscheinlich letzte Aktualisierung unserer Liste:

- Space Oddity (1969): Wulf Dorn
- Memory of a Free Festival (1969): Martin Büsser
- Running Gun Blues (1970): Jakob Schmidt
- Fill your heart (1971): Dietmar Dath
- Five Years (1972) / Joe the Lion (1977) / Looking for Water (2003): Karla Schmidt
- V2-Schneider (1977): Dirk C. Fleck
- Heroes (1977): Tobias Lagemann
- Lodger (erste Seite, 1978) / Jump they say (1993): Pepe Metropolis
- Moon of Alabama (Weill/Brecht-Cover) / Just a Gigolo (Film 1979): Micaela Jary
- Scary Monsters (1980): Dirk Röse
- China Girl (1983): Jasper Nicolaisen
- Lets Dance (1983): Siegfried Langer
- Absolute Beginners (1983): Valerie Kreifelts
- This is not America (1986): Alex Wichert
- Within you (1986) / Something in the air (1999): Anna Janaszkiewicz
- Outside (1995): Markolf Hoffmann
- No one calls (1999): Tobias Bachmann
- Heathen (2002) / 5:15 Angels have gone (2002): Barbara Schreun


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Karla Schmidt am 29. Dezember 2009 in Autoren, Blog, Hinterland

14.11.2009 Weinseligkeit, Spannung, Satz!

Ich bin lange nicht hier gewesen, weil zwar einiges am Köcheln, aber noch nichts so richtig gar ist. Manchmal passieren während ganzer fünf Wochen eben einfach keine weltbewegenden Dinge.

Dennoch, die Zeit vergeht nicht ganz ereignislos. Zuerst ein wichtiger Veranstaltungshinweis:

SchlotzenundKloben

Anthologiekollegen Jakob Schmidt und Jasper Nicolaisen von Schlotzen & Kloben lesen!

- einmal am 19.11.2009 um 20:00 Uhr: Raumanzüge & Räuberpistolen
- einmal am 17.12.2009 um 20:00 Uhr: Das Ding in der Krippe

Wo? tristeza, Pannierstraße 5, U-Bahn Hermannplatz

Und was gibt es noch? Ach ja! Das Kind auf der Treppe ist im Satz.

Und ich hatte auch ein inspirierendes Telefonat mit meiner Lektorin bei Rowohlt. Ich werde für Rowohlt einen neuen Namen bekommen, und Isabels Schöpfung auch. Aber ich denke, dass wir uns dort dennoch sehr wohl fühlen werden. Falls jemand einen großartigen Pseudonymvorschlag für mich hat – bitte hier als Kommentar posten!!! Es ist schon schwer genug, gute Namen für literarische Figuren zu finden. Aber einen guten Namen für sich selbst, das ist fast unmöglich …

Hm … ich könnte einfach eine Preisfrage draus machen:

Wer mir DAS Pseudonym liefert bekommt ein signiertes Exemplar von Isabels Schöpfung, wie auch immer das Buch dann heißen wird … ;-)

Am 4.11. war die Lesung mit Wulf Dorn (Anthologie-Kollege!) und Sebastian Fitzek im Kriminaltheater. Professionell, spannend, anekdotenreich.
Wulf Dorns Trigger habe ich inzwischen gelesen. Obwohl ich selbst Thriller schreibe und einiges aushalte, gabs dann doch Momente, wo ich mal tief durchatmen musste. Heftig!

Ach, und dann hatte ich (ein recht weinseliges) Treffen in Bowies alter Stammkneipe “Neues Ufer” (damals noch “Anderes Ufer”) in Schöneberg mit ebenfalls Anthologiekollege Siegfried Langer.
Sein Roman Alles bleibt anders war 2009 für den Deutschen Fantastikpreis und für den Kurd Laßwitz Preis nominiert. Ein Parallelweltroman, in dem die Nazis gewonnen haben.
Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an Otto Basils Wenn das der Führer wüsste oder Philip K. Dicks Das Orakel vom Berge. Damals waren es große Verlage, die solche Bücher brachten. Heute scheint es keinen Markt mehr für das zu geben, was man vielleicht als literarische, kritische oder soziale Science Fiction bezeichnen könnte.
In den siebziger Jahren brachten Verlage wie Heyne oder Bastei Lübbe eine immense Spannbreite unterschiedlichster Utopien, Dystopien, literarischer und/oder abenteuerlicher SF und Fantastik, Schund, Space Opera, Kammerstücke, völlig abgedrehtes, konventionelles und unkonventionelles, surrealistisches, technoides Zeug, … Die Palette scheint seitdem immer enger geworden zu sein. Bücher wie Alles bleibt anders landen zwangsläufig im Kleinverlag. Schade.

Und ein Hoch auf die Kleinverlage! Ohne sie gäbe es vielleicht nur noch das Schubladendenken des Massenmarktes.

Was die Bowie-Anthologie angeht, da köchelt was, aber darüber möchte ich noch nichts schreiben, bevor es nicht konkreter wird …

bald … bald …

04.10.2009: “Lebenslichter” bei Wurdack gelandet

Eben habe ich von Armin Rößler erfahren: Meine Story “Lebenslichter” wird in der nächsten Science-Fcition Anthologie des Wurdack-Verlags erscheinen. Voraussichtlich also im März 2010. Die “Lebenslichter” spielen im selben Berlin wie die “Erlösungsdeadline”, die für die Bowie-Anthologie vorgesehen ist. Die “Lebenslichter” sind 10 Jahre später angesiedelt, und Véronique Malé wird wieder einen kleine, aber entscheidende Rolle spielen.

Ein dritte Story, die wiederum fünfzehn Jahre später spielt, ist bereits in Arbeit. Ich bin gespannt, ob und wo ich die dann unterbringen werde.

Und vielleicht schaffen es ja sogar einmal alle drei Stories in einen Band.

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Karla Schmidt am 29. Dezember 2009 in Blog, Hinterland, Kurzgeschichten

19.09.2009: Willkommen an Bord, Herr Dath!

Ich bin stolz darauf, dass Dietmar Dath zugesagt hat, eine Story zur Bowie-Anthologie beizusteuern. Herzlich Willkommen an Bord! :-)

Sein Song: “Fill your heart”

Ich war schon vor der “Abschaffung der Arten” der Meinung, dass Herr Dath es sowas von drauf hat. Und er ist, was Bowie angeht, auch schon ein alter Hase.

Wer sich gerne schräge, intelligente, unterhaltsame Literatur zu Gemüte führt , dem sei Schwester Mitternacht und Das versteckte Sternbild, geschrieben von einer seiner eigenen Romanfiguren, empfohlen. Bowie schwingt bei beiden Büchern hörbar mit.

Unser Neuzugang erfordert natürlich eine sofortige Aktualisierung der Autorenliste!

Songs und Autoren (chronologisch)

- Space Oddity (1969): Wulf Dorn
- Running Gun Blues (1970): Jakob Schmidt
- Fill your heart (1971): Dietmar Dath
- Five Years (1972) / Joe the Lion (1977) / Looking for Water (2003): Karla Schmidt
- V2-Schneider (1977): Dirk C. Fleck
- Heroes (1977): Tobias Lagemann
- Lodger (erste Seite, 1978) / Jump they say (1993): Pepe Metropolis
- Moon of Alabama (Weill/Brecht-Cover) / Just a Gigolo (Film 1979): Micaela Jary
- Scary Monsters (1980): Dirk Röse
- China Girl (1983): Jasper Nicolaisen
- Lets Dance (1983): Siegfried Langer
- Absolute Beginners (1983): Valerie Kreifelts
- This is not America (1986): Alex Wichert
- Within you (1986) / Something in the air (1999): Anna Janaszkiewicz
- Outside (1995): Markolf Hoffmann
- No one calls (1999): Tobias Bachmann
- Heathen (2002) / 5:15 Angels have gone (2002): Barbara Schreun

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Karla Schmidt am 29. Dezember 2009 in Autoren, Blog, Hinterland

15.09.2009 die Zweite!

Und gerade erreicht mich die Nachricht, dass auch Jasper Nicolaisen, der ebenfalls einen Beitrag für die Bowie-Antho geliefert hat, einer Veröffentlichung entgegensieht! Spaß macht das!

phantastisch!

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Karla Schmidt am 29. Dezember 2009 in Autoren, Blog, Hinterland, Von Freunden

15.09.2009 – Wulf Dorn debütiert kurz vor mir …

Wulf Dorns Psychothriller “Trigger” erscheint im Oktober, pünktlich zur Frankfurter Buchmesse, bei Heyne.

TRIGGER

Was hat diese Nachricht in meinem Blog zu suchen?

Erstens ist “Trigger” durch einen Song von David Bowie inspiriert, was mir das Buch grundsätzlich sympathisch macht. ;-)

Wulf Dorn schreibt über das Buch und über Bowies Einfluss darauf in diesem Interview

Zweitens ist Wulf Dorn einer der Autoren, der auch einen Beitrag zu unserer Bowie-Anthologie geschrieben hat – eine gute Gelegenheit, mal wieder eine aktualisierte Autorenliste nach oben zu holen.

Songs und Autoren (chronologisch)

- Space Oddity (1969): Wulf Dorn
- Running Gun Blues (1970): Jakob Schmidt
- Five Years (1972) / Joe the Lion (1977) / Looking for Water (2003): Karla Schmidt
- V2-Schneider (1977): Dirk C. Fleck
- Heroes (1977): Tobias Lagemann
- Lodger (erste Seite, 1978) / Jump they say (1993): Pepe Metropolis
- Moon of Alabama (Weill/Brecht-Cover) / Just a Gigolo (Film 1979): Micaela Jary
- Scary Monsters (1980): Dirk Röse
- China Girl (1983): Jasper Nicolaisen
- Lets Dance (1983): Siegfried Langer
- Absolute Beginners (1983): Valerie Kreifelts
- This is not America (1986): Alex Wichert
- Within you (1986) / Something in the air (1999): Anna Janaszkiewicz
- Outside (1995): Markolf Hoffmann
- No one calls (1999): Tobias Bachmann
- Heathen (2002) / 5:15 Angels have gone (2002): Barbara Schreun

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Karla Schmidt am 29. Dezember 2009 in Autoren, Blog, Hinterland, Von Freunden

05.09.2009: Einstellung der Beratungsarbeit

Heute war nicht nur die Einschulung meiner größeren Tochter, sondern ich habe auch beschlossen, meine Arbeit als “Lehrerin” als Brotjob aufzugeben.

In den letzten Zehn Jahren habe ich immer wieder Schreibende bei ihren Projekten beraten, lektoriert, Dozenturen übernommen – getreu dem Motto, dass man oft das am besten lehren kann, was man selbst noch nicht wirklich kann.

Nun wird die eigene Schreiberei immer mehr Gewicht bekommen, Beratungen werde ich nur noch für Prosaautoren machen, und auch nur dann, wenn mich ein Projekt interessiert. Kein Wissenschaftliches Schreiben mehr, keine Drehbücher, kein Sachbuch.

Der Schritt ist nicht leicht für mich, ich habe einen großen Teil meines Lebensunterhats mit dem Lehren verdient.Es bedeutet, mich auf eine gewisse finanzielle Unsicherheit einzulassen, wenn ich ab jetzt überwiegend vom Schreiben zu leben versuche.

Dennoch – es wird Zeit für mich, die Weichen in die Richtung zu stellen, in die ich fahren möchte. Und meine Richtung ist eindeutig: Romane schreiben. Wenn ich genügend Romane schreiben will, um davon leben zu können, habe ich einfach keine Zeit mehr für anderes. (Dazu muss man sagen: Wenn man nicht gerade im Bestsellerbereich schreibt, braucht man wenigstens einen Roman im Jahr, besser zwei, wenn man sich über Wasser halten möchte.)

Ich werde später auch noch etwas zur Entstehung meiner ersten beiden Romane schreiben. Erstens glaube ich, dass ihr Werdegang zeigt, wie viel Geduld man haben muss und dass der Zufall eine unglaubliche Rolle dabei spielt, ob ein Buch veröffentlicht wird oder nicht. Zweitens hoffe ich, dass ich anderen Schreibern Mut machen kann, am Ball zu bleiben.
Die Zeit scheint sich direkt vor dem Erreichen der Lichtgeschwindigkeit ins Unendliche zu dehnen. Man hat das Gefühl, dass man niemals irgendwo ankommen wird. Dass man ewig darauf warten wird, dass jemand liest und für gut befindet, was man geschrieben hat.
Man fragt sich, ob sich das Warten überhaupt noch lohnt.
Man fragt sich, ob sich das Schreiben überhaupt noch lohnt.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen, dass es sich unbedingt lohnt!
Wenn man erst einmal die Grenze zur Lichtgeschwindigkeit überschritten hat, scheinen auf einmal alle guten Dinge auf einmal zu passieren. :-)