So, nun geht´s erstmal los …

Oben im Seitenkopf steht immer noch “Das Kind auf der Treppe” – auch wenn da eigentlich längst die “Seelenfotografin” und das “Hinterland” hingehören würden. (Die nötigen Arbeiten sind veranlasst …)

Seit letzter Nacht ist nämlich das “Hinterland” auf amazon vorbestellbar.

Wäre es nicht großartig, wenn wir schnell und elegant die für einen kleinen Verlag üblichen 500 Bücher verkaufen könnten und in die zweite Auflage gehen? Natürlich haben wir nicht die Reichweite eines großen Publikumsverlages. Wir sind auf Mundpropaganda angewiesen. Und natürlich ist es unwahrscheinlich, dass wir nur mit Mundpropagande größere Kreise ziehen …
Andererseits entstehen die Überraschungserfolge immer genau so: Durch Mundpropaganda. Den überraschend guten Verkäufen folgt die aufmerksam gewordene Presse, und der folgen dann wieder Leser.

Unddenkbar bei einem Erzählband? Was meint Ihr? Wie groß sind unsere Chancen auf einen “Kleinverlagsseller”?

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Es ist natürlich offensichtlich, dass ich diese Frage stelle, um vielleicht ein paar Leute zu motivieren, das Buch zu kaufen.

Gleichzeitig ist die Frage aber auch tatsächlich so gemeint.

Verlage fassen Anthologien nicht gerne an, sie verkaufen sich allgemein nicht gut. Aber warum nicht?

Liegt es daran, dass bei jedem Friseur eine Glotze läuft, dass man in der U-Bahn unbedingt dicke Bücher dabei haben muss, um außer dem Lesestoff auch eine Waffe bei der Hand zu haben, oder woran?

Wenn ich im Bekanntenkreis rumfrage, höre ich öfter: Kurzgeschichten sind immer dann zu Ende, wenn ich gerade beginne, in die Welt einzutauchen. Wenn ich das mal unzulässig verallgemeinere, kommt dabei heraus: Leute lesen, um in eine Welt einzutauchen und sich möglichst darin zu verlieren. Das kann eine Kurzgeschichte natürlich nicht bieten.

Dabei sieht es auf den ersten Blick doch so aus, als sei die Kurzgeschichte die perfekte Gattung für eine schnelllebige, hektische Zeit. Dennoch scheinen Leser immer mehr zu möglichst seitenstarken Büchern zu greifen – als hätten sie ewig Zeit zum Lesen. Warum?

Aktuell verlegte Bücher, die auf “Masse” aussind, lassen sich oft sehr schnell “weglesen”. 1000 Seiten Romance sind nicht mit 1000 Seiten Dostojewski oder Oates zu vergleichen. Aber 1000 Seiten sehen viel aus und erzeugen das Gefühl von “Leistung” – boah! So viel hab ich gelesen! Hinzu kommt: Wir leben in einem Umfeld, das “mehr = besser” ziemlich nachhaltig verinnerlicht hat.

Dicke Bücher, die Leser in andere Welten mitnehmen, vermitteln zugleich das Gefühl, für eine Weile “entkommen” zu können. Dabei müssen die vermittelten Welten aber vertraut bleiben, dürfen den Status Quo von Wertvorstellungen nicht zu sehr in Frage stellen. Denn sonst werden solche Bücher mental anstrengend, und das sollen sie nicht sein. Sie sollen “unterhalten”. Unterhaltung wird dabei eher mit “abschalten” als mit “umschalten” gleichgesetzt.

Und kurze Bücher – oder gar Kurzgeschichten?

Ich nehme an, sie stehen in dem Ruf, entweder Literatur oder Groschenheft zu sein. Das eine ist zu anstrengend, das andere zu offensichtlich platt.

Kurzgeschichten lassen das Abtauchen in die andere Welt nicht zu, sie verlangen nach “Umschalten” statt nach “Abschalten”. Da sie ein Thema nicht von jeder Seite aus betrachten können, sondern meist nur von einer Seite aus, bleibt genug Raum, das Thema nach dem Lesen selbst weiter zu denken. Wenn man dazu keine Lust hat, dann wirkt eine Kurzgeschichte unvollständig und daher unbefriedigend.

Worauf es ankommt: Eine Kurzgeschichte WILL gar nicht in andere Welten entführen, sie strebt keine restlose Identifikation mit dem “Helden” oder der “Heldin” an. Eher geht es um ein momentanes Aha-Gefühl und das Vergnügen an einer Pointe.

Kann es einfach sein, dass Kurzgeschichten tendenziell weniger das schnelle Konsumbedürfnis befriedigen, obwohl das im Widerspruch zu ihrer Kürze zu stehen scheint?

Was meint Ihr? Lest Ihr Kurzgeschichten? Wenn ja, was schätzt Ihr daran? Wenn nein, warum nicht?

6 Kommentare »

Karla Schmidt am September 23rd 2010 in Blog, Hinterland, Kurzgeschichten

6 Kommentare zu “So, nun geht´s erstmal los …”

  1. Siegfried Langer schrieb am 23 Sep 2010 um 07:53 #

    Um ein wenig Mut zu machen:
    Kleinverlagsauflagen deutlich über 500 Exemplaren sind machbar.
    Q. E. D. :-)

  2. Karla Schmidt schrieb am 23 Sep 2010 um 08:13 #

    Oha! Stimmt, Du bist ja der lebende Beweis! :-)

  3. „Hinterland“ schon (fast) erschienen! « Jakobs Blog schrieb am 23 Sep 2010 um 08:40 #

    [...] der Veröffentlichung hat Karla auf ihrem Blog ein bisschen über die Un-Verkäuflichkeit von Storybänden gerätselt und dabei ein paar der Gedanken artikuliert, die einem als Buchhändler tagtäglich durch den Kopf [...]

  4. TobiasL schrieb am 12 Okt 2010 um 12:51 #

    Hallo zusammen,

    ich liebe Kurzgeschichten! Wenn ich die Wahl zwischen einem interessanten Roman und einem interessanten Kurzgeschichten-Band habe, dann kaufe ich mir den mit Kurzgeschichten.

    Warum? Weil die “kurzen” Texte auf den Punkt kommen (müssen!). Und weil sie meist verdichteter/konzentrierter daherkommen als Romane – und dennoch offener sind.

    VG
    Tobias

  5. Karla Schmidt schrieb am 13 Okt 2010 um 21:18 #

    Hi Tobias,

    ich wünschte, es würden mehr Leute so denken/lesen. Mir gehts auch so … aber die “breite Leserschaft” bevorzugt eben die Schwarten.

    LG, Karla

  6. Nick Erdmann schrieb am 06 Mrz 2011 um 20:52 #

    Ich lese sehr gern Kurzgeschichten und das seit vielen Jahren. Es sind allerdings auch immer noch die selben.Mein Poe Band ist so dick,ich hab bis heute nocvh nicht alles durch. Clive Barker ist für mich einer der besten in diesem Gengre und grad als ich mir mal einen ganz neuen Kurzgeschichtenband kaufen wollte,da bekam ich den Roman “die Seelenfotografin “geschenkt…
    Gruss an Karla

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