Über “Kind auf der Treppe”

Hier der Klappentext, zu dem auch ein paar sehr geschätze Autorenkollegen etwas beigetragen haben :-) :

Eine Frau auf der Flucht in ein Grauen, schlimmer als der Tod.

Die junge Musikerin Leni Draugur flieht aus Reykjavik vor ihrem gewalttätigen Mann. Sie weiß nicht, ob sie ihn in Notwehr getötet hat, oder ob er ihr auf den Fersen ist – und sie weiß nicht, welcher Gedanke der schlimmere ist … Als Leni endlich spät nachts bei ihrer Halbschwester Zicky in Berlin ankommt, sitzt dort im Treppenhaus ein merkwürdig blasser, kleiner Junge allein auf den Stufen. Leni nimmt sich des geheimnisvollen Jungen an, versucht ihn zu beschützen, denn in Berlin hat das „Schulwegmonster“ bereits mehrere Kinder auf bestialische Art getötet. Gleichzeitig weiß sie, dass sie vor ihrem Mann erst dann sicher sein kann, wenn er tot ist. Leni gerät in den Strudel der Ereignisse, und bald weiß sie selbst nicht mehr, ist sie Täterin oder Opfer?

Ein packender Psychothriller, in dem nichts so ist, wie es scheint!

„Mein Thriller des Jahres. Das Ende war etwas ganz besonderes und hat mich berührt.“ Charlotte Lyne („Das Haus Gottes“)

„Karla Schmidt ist eine Meisterin des Plots. Unter der Maske einer schlichten Sprache versteht sie es, das pure Grauen aufbrechen zu lassen, skizziert durch geniale Formulierungen.“ Dirk C. Fleck („Das Tahiti-Projekt“)

„Sie werden nach dem Lesen das Licht eingeschaltet lassen!“ Wulf Dorn („Trigger“)

Und der Text für die Buchinnenseite:

Ein Mann liegt gefesselt auf einem Feldbett. Man hat ihm erst die Zunge, dann Scheibe für Scheibe das linke Bein abgeschnitten. „…Der Schmerz in seinem Beinstumpf wurde wieder stärker, ein Pulsen und Reißen knapp unter der Leiste, wo die sauber versorgte Wunde war, und der weit grausamere Phantomschmerz in dem Teil seines Beines, den es nicht mehr gab. Jede Scheibe, die davon abgeschnitten worden war, konnte er spüren, jeder Schnitt ein Kreis aus singendem Schmerz. Jedes Nervenende sandte nach wie vor Alarmsignale an sein Hirn, das nicht akzeptieren wollte, was geschehen war. Fort, fort, für immer, er wusste es genau. Doch irgendein Teil seines Selbst wollte der kompetenten Stimme hinter dem grünen Mundschutz glauben. „Keine Sorge, es wächst irgendwann nach. Vertrauen Sie mir“, sagte sie …“

Eine Sache, die in keinem Klappentext und keiner Vorschau erwähnt werden wird, die mir aber wichtig ist:

“Das Kind auf der Treppe” ist – wie Wulf Dorns “Trigger” – von Bowie inspiriert (… ich verspreche, der nächste Thriller kommt ohne Bowie aus :) ).

Genauer gesagt: Ein Großteil der Handlung spielt in der Berliner Hauptstraße 155, wo Bowie 1978/1979 gewohnt hat – zuerst zusammen mit Iggy Pop, der jedoch bald ins Hinterhaus verbannt wurde, weil er immer den Kühlschrank leerfraß.
Bowie hat in der Berliner Zeit nicht nur an den Alben “Low” und “Heroes” gearbeitet, deren Stimmung in “Das Kind auf der Treppe” einfließt, sondern er hat sich auch viel im Brücke-Museum herumgetrieben und sich selbst am expressionistischen Malstil versucht. Dabei ist u.a. dieses Bild entstanden:

Child in Berlin
Child in Berlin

Das Bild zeigt einen Jungen im Treppenhaus der Hauptstraße 155, der sich nicht traut, zum Zahnarzt im ersten Stock hinauf zu gehen.
Der Zahnarzt spielt in “Das Kind auf der Treppe” keine Rolle, wohl aber der kleine Junge, der sich im dunklen Treppenhaus herumdrückt … was mich zu einer Frage bringt, die Schreiber wie Nichtschreiber immer wieder stellen:

Woher kommt eigentlich die Inspiration zu einem Buch oder einer Geschichte?

Wer den Blog bis hierher verfolgt hat, hat sicher gemerkt, dass meine Schreiberei eigentlich immer von etwas konkretem inspiriert ist: Ein Musikstück, ein Bild, etwas, das ich gelesen oder gesehen habe:

- Bei “Isabels Schöpfung” war es eine Fotografie aus dem 19. Jahrhundert und ein ebenso alter Artikel über die Annahme eines geheimnisvollen “Fluidums”, das die eigentliche Lebenskraft des Menschen darstellt, die alles in Gang gesetzt hat.
- Bei “Das Kind auf der Treppe” war es das Gemälde “Child in Berlin” und eine Party im “Neuen Ufer”.
- Beim nächsten Thriller ist es das Märchen “Die Roten Schuhe” und Kate Bushs Video “The Red Shoes”, die die Dinge zum Laufen gebracht haben.
- Und beim nächsten historischen Roman ist es ein Gemälde von Odilon Redon, das in mir arbeitet und gärt.
- Außerdem spielt Bowie im Hintergrund ebenfalls immer eine Rolle – er ist so etwas wie mein “imaginärer Leser”.

Ich denke, es sind diese beiden Dinge, die ich brauche, um zu schreiben:

1. einen konkreten Auslöser, der die Bildermaschine in meinem Kopf zum laufen bringt.

2. einen ganz bestimmten Leser, für den ich schreibe. Selbst wenn dieser meine Bücher wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen wird.
Darauf kommt es jedoch auch gar nicht an – im Grunde könnte ich mir auch irgend jemand anderen als imaginären Leser erwählen. Wichtig ist wahrscheinlich nur, dass man für jemanden schreibt, den man schätzt, dessen Urteil einem wichtig wäre. Und letztlich muss es jeder Leser sein, dessen Urteil man schätzt und für den man schreibt.
Darum halte ich es für wichtig, die Latte hoch zu hängen und sich innerlich an jemanden zu wenden, den man bewundert. Das bewahrt einen davor, auf Leser herabzusehen und sie für unwichtig zu halten. Ohne Leser hat ein Roman kaum einen Sinn.

9 Kommentare »

Karla Schmidt am Januar 27th 2010

9 Kommentare zu “Über “Kind auf der Treppe””

  1. Pepe schrieb am 08 Mrz 2010 um 12:47 #

    Morgen ist’s endlich soweit!

    Ich freue mich.

  2. karla schrieb am 08 Mrz 2010 um 13:04 #

    Und ich erst! :D

  3. Bianca Nicklasch schrieb am 16 Mrz 2010 um 21:14 #

    Puh, hab das Buch in 2 Tagen verschlungen, klasse!
    Schon lange nicht mehr so einen tollen Thriller in den Händen gehalten!
    Und das von einer weiblichen Autorin, weltklasse!
    BITTE MEHR VON KARLA SCHMIDT!!!!

  4. karla schrieb am 17 Mrz 2010 um 00:31 #

    Liebe Bianca,

    Danke für das tolle Lob!

    Der nächste Thriller ist in Arbeit …. :D

    LG, Karla

  5. Inga schrieb am 16 Apr 2010 um 09:34 #

    Diese Buch ist einfach toll,super,klasse ein Psychothriller der mir den Atem geraubt hat….ich lese seit mindestens 15 Jahren Thriller und ich muss sagen Karla Schmidt ist in einem Atemzug mit Fitzek,Katzenbach und Co zu nennen.
    Ich bin immer sehr vorsichtig was “Neue” Autoren angeht bleibe meistens meinen Lieblingen treu aber ich habe dieses Buch innerhalb von Stunden verschlungen wollte nicht das es aufhört aber konnte es auch nicht aus der Hand legen!! Die Charaktere sind so gut kreeirt einfach Weltklasse bitte bitte schnell mehr von Ihnen kann es nur nochmals betonen ich bin begeistert
    Lg Inga

  6. Karla schrieb am 16 Apr 2010 um 09:46 #

    Liebe Inga,

    Danke, so ein großes Lob geht natürlich runter wie Öl. :-)

    Ich sitze auch schon am nächsten Thriller. ;-)

  7. Die Vielseitige: 12 Fragen an Karla Schmidt « Crazy Culture Clap schrieb am 04 Jun 2010 um 10:28 #

    [...] „Kind auf der Treppe“ wurde vorab Szene für Szene geplant. Es gab bestimmte Szenen, die hatte ich von Anfang an im Kopf [...]

  8. Sabine schrieb am 31 Jul 2010 um 07:05 #

    Hallo :-)
    Habe das Buch beim Bücher(p)lausch gewonnen und mich soo gefreut, weil ich es schon auf meiner “kaufen muss” Liste hatte! 2 Abende dann war es durch und ich … verstört… puh, ich konnte teilweise kurz nicht weiterlesen, Augen zu, Bilder weg, atmen – weiter – atemraubend und das obwohl ich früh einige richtige “Vorahnungen” hatte – toll geschrieben und ich wollte unbedingt auch die Musik von KAT hören ;-) und überhaupt bald einen neuen Thriller lesen und Sie in einer Reihe mit Katzenbach, Fitzek usw zu nennen ist absolut gerechtfertig!
    Da ich 2,3 x schon dachte “mmh,ja ne….” – sind 4,9 von 5 Sternen da ok? ;-)
    Lieben Gruß Sabine

  9. Karla schrieb am 31 Jul 2010 um 09:23 #

    Liebe Sabine,

    na gut, ich lasse den Punkteabzug nochmal durchgehen. ;-)

    Ich freue mich über die tolle Rückmeldung, Danke!

    Die Musik zum Buch … Tja, ich hatte schon ein paar Mal überlegt, hier eine Trackliste einzustellen, ähnlich wie für das “Hinterland”. Aber es würde doch ganz schön viel Arbeit machen, das ganze Buch nochmal durchzugehen und alle Songs zu finden, auf die ich anspiele. Da käme außer Bowie auch noch das eine oder andere Andere zusammen. :-)

    Darum empfehle ich fürs “Gesamtpaket” einfach mal die Alben, die beim Schreiben oft liefen:

    - David Bowies Berlin-Triptychon: “Low”, “Heroes”, “Lodger” und das Album “1. Outside” von 1995, und wenn man den Song “Ashes to Ashes” nicht mehr im Ohr hat, gehört auch unbedingt noch das Album “Scary Monsters” dazu.
    - Thomas Dolby: “The sole inhabitant” (Einsamkeitsmusik)
    - TV on the Radio: “Return to Cookie Mountain” (Da ist “Province” mit drauf)
    - CocoRosie: “The adventures of ghosthorse and stillborn” (War ein wenig Vorbild fürs Frauenduo)
    - The Prodigy: “Music for the jilted generation” (inneres Chaos)
    - Godspeed you, black Emperor: “Rockets fall on Rockets Fall” und “Sleep”. (Sehr athmosphärisch-düsterer Postrock)
    - Clint Mansell / Mogwai / Kronos Quartett: “The Fountain” (Soundtrack zum Film)

    So, mehr fällt mir spontan nicht ein, was ich beim Schreiben so gehört habe. :-)

    Liebe Grüße, Karla

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